Ärzte helfen häufiger

Kinderwunsch: Immer mehr Paare nutzen künstliche Befruchtung

Kassel. Paare mit unerfülltem Kinderwunsch suchen immer öfter Hilfe bei der Fortpflanzungsmedizin. Die Patientenzahlen des Kinderwunschzentrums am Kasseler Klinikum haben sich seit der Gründung vor acht Jahren verdreifacht. 2013 haben sich rund 1900 Paare aus der gesamten Region an dem Medizinischen Versorgungszentrum für Reproduktionsmedizin behandeln lassen.

Vor allem die Nachfrage nach künstlicher Befruchtung ist stark gestiegen. Nahm das Kinderwunschzentrum 2007 noch 170 künstliche Befruchtungen vor, wird die Zahl der Behandlungen dieses Jahr bei über 600 liegen, sagt Dr. Oswald Schmidt vom Kinderwunschzentrum. Neben der In-vitro-Fertilisation, dem Zusammenbringen von Ei- und Samenzelle in der Petrischale (IVF), wird laut Schmidt immer häufiger die ICSI-Methode angewandt. Dabei wird das Spermium des Mannes direkt in die Eizelle gespritzt.

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Als Grund für die steigende Nachfrage sieht der Mediziner eine Enttabuisierung der künstlichen Befruchtung. „Paare trauen sich einfach eher, bei uns Hilfe zu holen.“ Außerdem verlagere sich der Kinderwunsch bei vielen Frauen nach hinten. Ab dem Alter von 35 Jahren lässt die Fruchtbarkeit aber deutlich nach. Frauen, die sich erstmals künstlich befruchten lassen, sind nach bundesweiten Zahlen im Schnitt 35 Jahre alt - 1997 lag der Wert noch bei 32,6 Jahren. Auch die gute wirtschaftliche Lage spiele eine Rolle, glaubt Schmidt: „Die Leute können sich Kinder leisten und wollen heute oft unbedingt zwei.“

1286 Babys sind mit der medizinischen Hilfe des Kasseler Kinderwunschzentrums in den vergangenen acht Jahren geboren worden. Bundesweit kommen nach Schätzung des Deutschen IVF-Registers inzwischen vier Prozent aller Neugeborenen nach reproduktionsmedizinischer Behandlung auf die Welt. Die Erfolgsquote bei konsequenter Behandlung von kinderlosen Paaren liegt laut Schmidt bei bis zu 80 Prozent.

Von Katja Rudolph

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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