Bundespräsident ist Pate

Aus dem Leben einer neunköpfigen Familie

Anerkennung: Jugenddezernentin Anne Janz (Mitte, orangefarbenes Kleid) gratulierte Jakobina (9, von links), Mardita (7), Uwe, Jonathan (24), Mutter Sylvia (mit Nicolo auf dem Arm), Simon (24) und Benedikt (22, mit seinem Bruder Leonas, 3, auf dem Arm) zum Familiennachwuchs. Foto: Dilling

Kassel. Als seine Ex-Ehefrau 1989 ihr erstes Kind bekam, „habe ich noch nicht gedacht: Ich werde mal Vater von sieben Kindern“, sagt Uwe Werner. Doch seit fünf Monaten ist es so weit: Nicolo, der gerade an der Schulter seiner Mutter, Sylvia Vollmer-Werner - Werners zweiter Ehefrau - schlummert, ist das Nesthäkchen der nun neunköpfigen Familie.

Drei Kinder, die Zwillinge Simon und Jonathan sowie Benedikt stammen aus erster Ehe. Jakobina, Madita und Leonas hat er mit seiner zweiten Frau.

Der Bundespräsident hat die Patenschaft übernommen, im Rathaus gab es gestern ein 500-Euro-Geldgeschenk, ein Buch und einen brieflichen Gruß von Joachim Gauck.

Sieben Kinder aus zwei Ehen unter einem Dach. Das hat so manche Einschränkung finanzieller Art mit sich gebracht. Das fängt beim fahrbaren Untersatz an. Die Werners haben seit Jahren kein Auto mehr. „Für den Urlaub miete ich einen Neunsitzer. Ansonsten fahren wir mit Bus und Bahn oder mit dem Fahrrad“, sagt der Sozialpädagoge, der für die evangelische Kirche unter anderem den Jugendprojekt-Bus „B-Weg-Punkt“ betreut. Privat verzichtet die Familie auf das Auto zugunsten einer geräumigen Mietwohnung in Wahlershausen, damit jedes Kind sein eigenes Zimmer hat.

Der Sommerurlaub in diesem Jahr am Müritz-See sei eine echte Herausforderung gewesen, erzählt Uwe Werner. Weil es ständig geregnet habe, hätten die Kinder nicht am Ufer spielen können. Die reine Erholung sei das nicht gewesen.

Überhaupt findet der 47-Jährige, dass für kinderreiche Familien mehr getan werden sollte. Das fange schon bei den Finanzen an. Es sei ein „Unding“, dass er als Vater einer siebenköpfigen Familie immer noch Steuern zahlen müsse. Ein Rundum-sorglos-Urlaub im Süden sei da nicht mehr drin. Auch für eine stundenweise Entlastung bei der Kinderbetreuung sollte es finanzielle Erleichterungen geben, findet der siebenfache Vater.

Nette Nachbarn

Dabei habe es seine Familie noch gut: Die drei Söhne aus erster Ehe sind seit zwei Jahren aus dem Haus und studieren an der Uni Kassel. Ihre drei jüngeren Halbgeschwister besuchen die Reformschule, die nur ein paar Hundert Meter von Werners Wohnung entfernt ist. „Wir haben auch nette Nachbarn, die einspringen, wenn wir mal weg müssen“, sagt der Familienvater.

Seine Frau, gelernte Sozialpädagogin, hat sogar noch Zeit, ehrenamtlich einen Chor zu leiten. „Die Leute sind oft gerührt, dass es noch eine Familie mit so vielen Kindern gibt. Die fragen dann: Wie schafft ihr das finanziell?“, berichtet Werner.

Von Peter Dilling

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