22-Jährige erstach ihr Neugeborenes

Kindstötung in Fuldabrück: Mutter zu neun Jahren Haft verurteilt

Kassel. Weil sie ihre Tochter nach der Geburt mit einem Stich in die Brust getötet hat, muss eine 22-jährige Frau aus Fuldabrück hinter Gitter. Die Sechste Strafkammer des Kasseler Landgerichts hat sie gestern zu neun Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt.

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„Wer so zusticht, der weiß, was er tut. Der will, dass das Kind stirbt“, sagte der Vorsitzende Richter Volker Mütze. Maja, so hieß das Baby, das nur wenige Minuten leben durfte, sei nach seiner Geburt am 9. Juli vorsätzlich getötet worden.

Die 22-Jährige hatte das Kind allein auf der Toilette ihres Elternhauses geboren. Mit gesenktem Gesicht hörte sich die weinende Frau die Urteilsbegründung an.

An der Schuld der Frau, die die Tat eingeräumt hatte, gebe es keine Zweifel, sagte Mütze. Die Strafkammer habe sich mit der Frage auseinandersetzen müssen, ob es sich bei der Angeklagten um eine „geplant vorgehende Killerin“ oder um eine in der Geburtssituation verzweifelte Frau handele, sagte Mütze. Weder die eine noch die andere Beschreibung treffe in diesem Fall zu.

Es sei keine reine Verzweiflungstat, aber auch keine geplante Tat gewesen. Maja habe wegen Befindlichkeiten ihrer Mutter keine Chance zum Leben bekommen. Dabei spielte die enge Beziehung der Angeklagten zu ihrer ersten Tochter eine Rolle. Dieses Kind habe die Angeklagte als Ersatz angesehen für die offenbar nicht so intakte Beziehung zu ihrem Freund.

Und diese für das Selbstwertgefühl der Angeklagten so wichtige Beziehung sei auf einer „emotionalen Ebene“ durch das weitere Kind in Gefahr geraten, sagte Mütze. Die fehlende Bindung zu dem ungeborenen Kind habe dazu geführt, dass die Frau die Schwangerschaft habe verleugnen können und letztlich auch dazu, dass sie die Hemmschwelle, ihr Kind zu töten, überschritten habe.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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