Netcom nimmt documenta aufs Korn

Kino-Spots mit Kasseler Comedians: Kunstbanausen machen Werbung

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Die Mimik macht den Kunstversteher: In den witzigen documenta-Werbespots von Netcom Kassel spielen Peter Dams und Clara Steube ein kunstbeflissenes Besucherpaar, das meist nur Bahnhof versteht – dies aber mit Stil.

Kassel. In einer witzigen Kampagne für Telefon- und Internet-Anbieter Netcom Kassel nimmt die Agentur Machbar die Macken und Eitelkeiten des documenta-Betriebs aufs Korn.

Längst nicht jeder versteht auf Anhieb, was documenta-Künstler mit ihren Werken sagen wollen. Wer aber als Kulturmensch etwas auf sich hält, setzt trotz zeitweiser Ratlosigkeit stets eine grüblerisch versunkene Miene auf und wiegt bedächtig schweigend den Kennerkopf. Die Marotten und Eitelkeiten einer Kunst-Elite, die in diesen Wochen wieder geballt über Kassel kommt, sind das Leitmotiv einer witzigen Werbekampagne, die die Kasseler Agentur Machbar für den Telefon- und Internet-Anbieter Netcom Kassel an den Start gebracht hat.

In einer Serie von Werbespots, die seit Ende vergangener Woche in regionalen Kinos und in sozialen Medien laufen, sieht man Kasseler Komik-Größen wie den Comedian Peter Dams (alias Brian O’Gott) oder TiC-Schauspieler Christoph Steinau auf amüsante Art am elitären Kunstbetrieb scheitern. Da wird schon mal ein Gelber Sack ehrfürchtig für ein Kunstwerk gehalten und bestaunt. Da telefoniert ein von sich selbst begeistertes Kunstgenie fortwährend mit „Adam“ und skizziert großspurige Ideen für Projekte wie „5000 Pappeln“ – und muss sich am Ende frustriert belehren lassen, dass die Kasseler all dies längst kennen.

Am Ende der Filmchen – und auch auf den flankierenden Werbeplakaten der Kampagne – steht die Aussage, nicht alles sei so einfach zu verstehen wie die Tarife des Kommunikationsdienstleisters aus Nordhessen. Oder auch: „Das ist keine Kunst. Das kann jeder.“

Clemens Camphausen

Die Kasseler und ihre documenta, das ist für Werber und Machbar-Mitinhaber Clemens Camphausen ein Spannungsfeld, das vor allem etwas darüber aussage, wie die hier lebenden Menschen ticken. Im Lauf der Jahre habe er die Beobachtung gemacht, dass die Nordhessen inzwischen weniger ehrfurchtsvoll, sondern selbstbewusster und spielerischer auf die fünfjährliche Weltkunstschau blicken.

Für Werbeleute sei das eine „willkommene Projektionsfläche“, wenn der internationale Hochkulturbetrieb auf regionales Selbstbewusstsein treffe. In diesem Spannungsfeld könne sich der Agenturkunde Netcom Kassel gut platzieren, sagte Camphausen: „Als regionales Unternehmen konkurrieren die direkt mit den ganz Großen in ihrer Branche.“

Das Kasseler Unternehmen sei „angenehm offen“ für Werbeideen, die etwas unkonventioneller ausfielen als der regional übliche Standard. Bereits im Sommer 2016 hatte die Agentur Machbar für Aufsehen mit einer Netcom-Kampagne gesorgt, die auf Großplakaten per Fotomontage weltberühmte Bauwerke nach Kassel verpflanzte: Da füllte ein antikes Kolosseum das Rund des Königsplatzes aus, da war das Staatstheater dem Opernhaus von Sydney gewichen und da thronte die New Yorker Freiheitsstatue auf dem Oktogon des Herkulesmonuments.

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