Abfallexperten nehmen achtlos weggeworfenen Müll unter die Lupe

Probleme direkt vor der Tür: Auch dieser Mülleimer an der Uni (Moritzstraße) ist mehr als voll. Foto: Dilling

Kassel. Achtlos weggeschnippte Zigarettenkippen, vom Winde verwehte Plastiktüten, wild entsorgte Plastikbecher, in denen der schnelle Kaffee zum Mitnehmen transportiert wurde: Abfall auf den Straßen und Bürgersteigen der Städte ist ein Problem, das nicht nur ein hässliches Bild vermittelt und schlecht fürs Image ist.

Gedankenloses Wegwerfen von Abfall, sogenanntes Littering, schade der Umwelt, sorge mancherorts für Hygieneprobleme und verursache bei der Beseitigung immense Kosten, sagt Marco Breitbarth, Umweltingenieur und Doktorand am Fachgebiet Abfalltechnik der Universität Kassel.

Breitbarth sucht nach Wegen, wie die Entstehung dieses Mülls vermieden werden kann. In Kassel haben er und eine Reihe von Studierenden die Abfallsituation an drei unterschiedlichen Stellen unter die Lupe genommen: An der Holländischen Straße, auf der Oberen Königsstraße und am Auestadion. Sein vorläufiges Fazit gibt den Stadtreinigern recht gute Noten. Der Anteil von Plastiktragetaschen am Müll habe an den untersuchten Orten nur ein Prozent betragen, berichtet Breitbarth. Am Auestadion habe man sogar gar keine gefunden. In zwei ausländischen Studien seien dagegen Durchschnittswerte in europäischen Städten von fünf Prozent ermittelt worden.

Marco Breitbarth

Die Zahl der öffentlichen Müllbehälter sei im Großen und Ganzen ausreichend. „Nur in der Nordstadt könnten es ein paar mehr sein“, sagt Breitbarth. Außerdem habe man festgestellt, dass einige Müllbehälter am Auestadion besser platziert werden könnten, nämlich unmittelbar an den Laufwegen der Passanten.

Die Wissenschaftler helfen den Stadtreinigern, die Müllentsorgung noch besser in den Griff zu bekommen. Denn die Menge unachtsam weggeworfenen Abfalls wächst. In der Innenstadt entstünden immer mehr Aufenthaltsgelegenheiten im Freien, wo Passanten Getränke und Speisen verzehrten, deren zum Teil umweltgefährdende Verpackungen dann häufig auf dem Bürgersteig landeten, berichtet Breitbarth. Unter Jugendlichen werde es manchmal als „cool“ angesehen, Abfall einfach auf die Straße zu werfen. „Je kleinteiliger der Abfall ist, desto niedriger ist die Hemmschwelle“, sagt der Forscher.

Sorgenkind sei auch die Ahna, die das schmutzigste Gewässer in Kassel sei. „Dort sieht man Ratten herumlaufen“, sagt der Wissenschaftler. Auch kunststoffhaltige Damenbinden, Ohrstäbchen und Kondome seien dort zu finden. Die gelangten bei extremem Starkregen sogar direkt in die Fulda. „Bitte nicht durch die Toilette spülen“, appelliert Breitbarth an die Kasseler. Kasselwasser müsse jeden Monat an der Ahna sauber machen.

Das Fachgebiet werde nächstes Jahr Tipps erarbeiten, wie die Stadtreiniger den Abfall dort reduzieren können, kündigt Breitbarth an.

Von Peter Dilling

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.