"Freundliche Geste für ein Miteinander"

Ramadan-Ärger wegen Abiball: AfD kritisiert Kasseler Schule

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Streitfall Ramadan: Im Fastenmonat dürfen Muslime erst nach Sonnenuntergang essen. Unser Bild zeigt das Fastenbrechen in Delmenhorst.

Wegen des Ramadans sollen Gäste des Abiballs der Kasseler Friedrich-List-Schule angeblich erst später essen. Das stört nicht nur die AfD, ist aber wohl nur ein Missverständnis.

Die angebliche Islamisierung unserer Gesellschaft hat nun auch die Abiturfeier der Kasseler Friedrich-List-Schule erreicht. So sieht es jedenfalls die AfD-Fraktion im Rathaus, die auf Facebook die Einladung zum Abi-Ball der Schule am 9. Juni in der Baunataler Stadthalle öffentlich gemacht hat. Darin steht ein Satz, der für Aufregung sorgt: "Auf Grund von Ramadan wird das Büfett erst nach Sonnenuntergang sein (21 Uhr)."

Dass die Gäste von Beginn des Sektempfangs um 17.30 Uhr dreieinhalb Stunden auf das Essen warten müssen, damit gläubige Muslime nicht ausgeschlossen werden, kann für den AfD-Stadtverordneten Thomas Materner nicht sein, denn: "Das ist eine deutsche Schule." Auf Facebook schreibt die AfD: "Diejenigen, die sich an den Ramadan halten, können das Büfett ja um 21 Uhr konsultieren. Es besteht kein Grund, dies zum Problem aller anderen zu machen."

Das Schreiben der Friedrich-List-Schule ist echt

Im Internet sorgte das Schreiben für empörte Kommentare. Einige Kritiker der AfD vermuteten, die Partei habe das Schreiben gefälscht. Doch es ist tatsächlich echt - und trotzdem ist der Fall anders, als es die Einladung vermuten lässt.

Schulleiter Michael Kircher sagt, dass das Büfett traditionell zwischen 20.30 Uhr und 21.15 Uhr eröffnet wird. Und zwar nicht wegen des Ramadans, sondern aus organisatorischen Gründen. Nach dem Sektempfang werden stets die besten Schüler geehrt. Das Essen gibt es dann zur Halbzeit der Veranstaltung, die meist bis halb zwölf geht.

Das war schon immer so an der berufsbildenden Schule im Stadtteil Kirchditmold. Neu ist in diesem Jahr der Satz der Einladung, den auch Kircher "unglücklich" findet. Als "freundliche Geste für ein Miteinander" sollten die Schüler des für die Organisation zuständigen Abiball-Teams darauf hinweisen, dass das Büfett auch für Veganer, Vegetarier und Allergiker sowie durch seinen späten Beginn auch für Muslime geeignet sei.

In der Einladung werden die Muslime jedoch nicht mehr gemeinsam mit den anderen Gruppen genannt. Vielmehr wird der Eindruck erweckt, dass der Ramadan, der in diesem Jahr am 14. Juni 2018 endet, der Grund für den Ablauf sei. Es ist eine Kleinigkeit, die in Zeiten, in denen viele Menschen Angst vor dem Islam haben, zu einem Thema wird.

Michael Kircher

Aus der Elternschaft erhielt Schulleiter Kircher eine E-Mail, in der gefragt wurde, warum der Abend wegen des Ramadans neu gestaltet werde - an einer Lehranstalt, deren Anteil an muslimischen Schülern bei 13 Prozent liegt. Der Direktor versichert, dass "wir unsere Identität nicht aufgeben", auch wenn wir in einer globalisierten Gesellschaft "weltoffen und zusammen handeln" müssen. Er bedauert, dass der Satz Anlass zu Missverständnissen gibt, er sagt aber auch: "Man muss den Satz schon missverstehen wollen."

Thomas Materner

Für AfD-Politiker Materner, der im Oktober als Direktkandidat in den Landtag einziehen will, "will sich der Schulleiter nur rausreden, um weitere Diskussionen zu vermeiden". Er ist immer noch besorgt um die deutsche Leitkultur, findet zugleich aber: "So wichtig ist das Thema mit dem Büfett auch nicht." Schulleiter Kircher indes hofft, dass die Schüler nach all der Aufregung doch noch eine schöne Abifeier haben werden - und zwar alle.

Hier befindet sich die Friedrich-List-Schule

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt. 

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