Vandalismus in der Silvesternacht beschädigte 120 Jahre alten Baum massiv

Alte Linde in Kirchditmold mutwillig zerstört

Sind entsetzt: Herta Weispfenning (von links), Hedda Noell, Herbert Troup, Annette Ulbricht und Kerstin und Marcus Leitschuh vor der verkrüppelten Linde.
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Sind entsetzt: Herta Weispfenning (von links), Hedda Noell, Herbert Troup, Annette Ulbricht und Kerstin und Marcus Leitschuh vor der verkrüppelten Linde.

Die Anwohner sind fassungslos: Zum wiederholten Male wurde die mehr als 120 Jahre alte Linde auf dem Kirchditmolder Lindenberg an der Schanzenstraße durch mutmaßliche Brandstiftung stark beschädigt.

Kassel - Es ist der vierte Fall dieser Art. Diesmal scheint das Feuer, das in der Silvesternacht in dem hohlen Stamm gelegt wurde, dem einstigen Naturdenkmal den Rest gegeben zu haben. Das Umwelt- und Gartenamt hat ihn am Montag stark zurückschneiden müssen, damit von ihm keine weitere Gefahr durch Abbruch ausgeht.

Als die Linde am Neujahrsmorgen in Flammen stand, war es für sie nicht der erste Kontakt mit Feuer. Bereits dreimal war sie in den vergangenen Jahren schon von Unbekannten angezündet worden. Jeweils war in dem Hohlraum im Baum offenbar Feuer gelegt worden. Nur durch den Einsatz des Umwelt- und Gartenamtes konnte er überhaupt immer wieder gerettet werden. Doch nun ist von dem Baum nicht viel mehr als der massige Stamm übrig.

Der Zustand vor vier Jahren: Damals war die Linde noch in voller Pracht zu sehen.

Es sei eine Schande, sagt Annette Ulbricht, die nur wenige Meter von der Linde entfernt wohnt. Generationen von Kirchditmoldern hätten sich auf der kleinen Anhöhe unter der Linde getroffen und den herrlichen Ausblick auf die Riedwiesen, Wilhelmshöhe und den Habichtswald genossen. Nun sei der Baum „ermordet“ worden.

Auf die Frage nach den Verantwortlichen haben die Anwohner die Jugend in Verdacht. Der Platz sei ein beliebter Treffpunkt bei Jugendlichen. „Die dürfen hier gerne auch feiern und Spaß haben“, sagt Ulbricht. Aber sie fordert mit den weiteren Nachbarn mehr Respekt vor der Natur und diesem Kirchditmolder Symbol, das inzwischen eher einem Mahnmal gleiche.

Blick zurück: Auf diesem

Während viele Anwohner wenig Hoffnung haben, dass sich der Baum von diesem Brand erholt, kommt aus dem Umwelt- und Gartenamt eine andere Einschätzung. Dem Baum werden von den Experten im Rathaus Chancen eingeräumt, nach dem Rückschnitt wieder neu auszutreiben. „Da es sich grundsätzlich um einen vitalen Baum handelt, der immer wieder austreibt, wurde entschieden, den Baum zu erhalten und gegebenenfalls immer wieder zu kappen“, so ein Stadtsprecher. In Folge des jüngsten Brandes sei der Baum stark eingekürzt worden, da die Restwandstärke nicht mehr ausreichend gewesen sei und die Krone einseitig eine zu hohe Last gehabt habe.

„Er wird sicher nie wieder den Charme haben, den er mal hatte“, ist sich Ulbricht sicher. Um zumindest nachfolgenden Generationen wieder ein stattliches Exemplar bieten zu können, hat die Stadt Kassel bereits 2018 eine neue Linde in unmittelbarer Nachbarschaft auf der Grünfläche gepflanzt. Die Anwohner wollen nun Spenden sammeln, um gemeinsam mit dem Umwelt- und Gartenamt weitere Anpflanzungen auf dem Areal zu ermöglichen. (Bastian Ludwig)

Kontakt: anneulbri@t-online.de

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