Insolvenzverwalter sucht Käufer

Alter Drogerie in Kirchditmold droht Verfall

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Ein Denkmal in schlechtem Zustand: Die ehemalige „Zentgrafen Drogerie“ an der Zentgrafenstraße in Kirchditmold steht seit Sommer leer. Ein Insolvenzverwalter sucht derzeit nach einem Kaufinteressenten.

Kirchditmold. Die ehemalige „Zentgrafen Drogerie“ in Kirchditmold steht seit dem Tod des Eigentümers im Sommer leer. Dem denkmalgeschützten Haus droht der Verfall.

Elisabeth König

Jetzt hat sich der Bürger- und Heimatverein Kirchditmold in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Bertram Hilgen dafür eingesetzt, dass alles für den Erhalt des Gebäudes getan wird. Das 1689 erbaute Haus an der Zentgrafenstraße 156 gehört zu den ältesten des Stadtteils. Es wird inzwischen vom Kasseler Insolvenzverwalter Dr. Carsten Prall verwaltet. Dieser sucht einen Käufer für das Objekt.Auf HNA-Anfrage teilt der Insolvenzverwalter mit, dass der Verkauf wegen des Denkmalschutzes erschwert sei. Ein Architekt prüfe derzeit, ob die Immobilie durch eine Bebauung des dazugehörigen hinteren Grundstücks in ein Wohnprojekt eingebunden werden könne. Eine entsprechende Abklärung mit dem Bauamt werde noch zwei bis drei Monate dauern. Ziel sei es, das Objekt „bestmöglich“ zu veräußern, so Prall. Auch eine Zwangsversteigerung sei denkbar, wenn auf anderem Weg kein Verkauf gelinge.

Erben des Gebäudes sind die Angehörigen des langjährigen Eigentümers Holger Engelmohr, der im Juli gestorben war. Diese sollen das Erbe nicht ausgeschlagen haben.

Einst älteste Drogerie Kassels

Sorge des Bürger- und Heimatvereins ist es nun, dass sich kein Käufer findet, der die einst älteste Drogerie Kassels erwirbt und das Gebäude denkmalgerecht saniert. „Das Haus ist in einem schlechten Zustand und wenn es jetzt länger leer steht, wird es weiter verfallen“, sagt Annette Ulbricht vom Bürger- und Heimatverein. Wegen eines vorhandenen Dachschadens sei die Substanz des Gebäudes gefährdet.

Ortsvorsteherin Elisabeth König hat die gleichen Sorgen. Bei ihr habe sich aber bereits ein Kaufinteressent aus Kirchditmold gemeldet, der nach einem Kontakt zum Insolvenzverwalter gefragt habe. „Den Wert dieses Denkmals wollen wir natürlich erhalten“, so König. Klar sei aber auch, dass dafür ein Liebhaber gefunden werden müsse, der auch über das nötige Geld für eine Sanierung verfüge.

Insolvenzverwalter Prall lässt derzeit ein Wertgutachten für das Objekt erstellen.

Als Försterei erbaut

Das Haus hat eine bewegte Vergangenheit: Es wurde vor 326 Jahren als Försterei erbaut. Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) fand in dem Gebäude ein Überfall auf die Franzosen statt, welche Kirchditmold besetzt hatten. Während der Nazizeit residierte in dem Haus der NSDAP-Ortsgruppenleiter. 1945 wurde es zu einer Drogerie umgebaut.

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