Belastetes Grundstück an der Hohnemannstraße – Abriss ohne Schutzmaßnahmen

Asbest-Brache in Kirchditmold erzürnt die Nachbarn

Sie fühlen sich mit dem Asbest-Problem alleine gelassen: die Anwohner Heiko Schröder (von links), Marieluise Cöster, Sven Gehrich, Rainer Neumann, Reinhild de Gruisbourne, Thomas Holzhauer und Gredy Wetzel.
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Sie fühlen sich mit dem Asbest-Problem alleine gelassen: die Anwohner Heiko Schröder (von links), Marieluise Cöster, Sven Gehrich, Rainer Neumann, Reinhild de Gruisbourne, Thomas Holzhauer und Gredy Wetzel.

Als im März 2019 dichte Staubwolken über die Hohnemannstraße in Kirchditmold zogen, war die Nachbarschaft in Aufregung. Wie ein aktuelles Gutachten belegt, war das Gebäude mit Schadstoffen belastet. Dennoch hatte der Bauherr nicht die nötigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Daher soll er sich nun verantworten.

Kassel - Ohne Ankündigung hatte ein Baggerfahrer seinerzeit begonnen, ein Zweifamilienhaus aus den 1960er-Jahren an der Hohnemannstraße abzureißen. Aufmerksamen Nachbarn war es zu verdanken, dass die Städtischen Werke alarmiert wurden, weil zuvor weder Strom noch Wasser abgestellt worden waren.

Das Fertighaus an der Hohnemannstraße 51 war zuletzt von einer älteren Frau bewohnt worden. Nach deren Tod verkauften die Enkel die Immobilie an einen Kasseler. Als der Abriss begann, informierte Nachbarin Marieluise Cöster die Behörden. Beim Bauamt sei ihr lediglich mitgeteilt worden, dass man keinen Mitarbeiter rausschicken könne. Der Abriss sei genehmigt worden, für die ordnungsgemäße Durchführung sei der Bauherr verantwortlich. Die Städtischen Werke waren dann aber doch dankbar für den Anruf. Denn der Abriss lief, obwohl die Versorgungsleitungen nicht abgeklemmt worden waren. Sofort eilte ein Servicemitarbeiter nach Kirchditmold.

Nachdem sich der Staub gelichtet und das Abbruchmaterial auf offene Container geladen worden war, kamen den Nachbarn weitere Zweifel. Was ist, wenn das Material gesundheitsschädlich ist? Tagelang war der Dreck umhergeflogen. „Besonders problematisch ist das, weil in direkter Nachbarschaft die Kita Ruchholzweg liegt“, sagt Anwohner Sven Gehrich.

Die Monate gingen ins Land und das Grundstück blieb bis heute unbebaut. Weil sich die Anwohner von den Behörden im Stich gelassen fühlten, beauftragten sie selbst für 700 Euro ein Bodengutachten. Bei der Analyse stellte ein Experte vom Tüv Rheinland nun fest, dass das Areal bis zu 20 Prozent mit Asbest belastet ist. Zudem wurde eine Kontamination durch künstliche Mineralfasern festgestellt, die für Dämmungen verwendet werden.

Die Nachbarn finden es ein Unding, dass das inzwischen verwilderte Grundstück bis heute nicht abgesperrt ist. Zumal Kinder die Fläche als Abenteuerspielplatz entdecken könnten.

Der Abriss: Als der Bagger arbeitete, zog der Staub auf die Nachbargrundstücke.

Inzwischen wurde das Regierungspräsidium Kassel (RP) über die Angelegenheit informiert. Es hat den Eigentümer angeschrieben. Dieser muss nun nachweisen, wie der Abbruch erfolgte und wohin er die Abfälle gebracht hat. Zudem wurde er aufgefordert, die Asbestrückstände vom Grundstück zu entfernen. Normalerweise hätte er für den Abbruch eine Fachfirma beauftragen oder selbst die Freisetzung von Asbestfasern durch geeignete Maßnahmen verhindern müssen.

Weil aus Sicht des RP der „unerlaubte Umgang mit Abfällen“ und eine „Schadstofffreisetzung in bedeutendem Umfang in die Luft“ im Raum stehen, wurden die Ermittlungen an die Umweltpolizei der Stadt Kassel übergeben. Zudem werde die Einleitung eines Strafverfahrens durch die Polizei und eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens geprüft, so eine RP-Sprecherin. Zuständig für die Überwachung von privaten Baustellen seien im Übrigen die Unteren Bauaufsichtsbehörden. Das Bauamt hatte den Anwohnern indes schriftlich mitgeteilt, dass man in seiner Zuständigkeit keinen weiteren Handlungsbedarf sehe.

Der Eigentümer teilte auf HNA-Anfrage mit, er werde Kontakt zum RP aufnehmen und – wenn tatsächlich nötig – die Schadstoffe beseitigen. (Bastian Ludwig)

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