Eines des ältesten Gebäude Kassels

Ehemalige Drogerie: Dieses Haus ist älter als der Herkules

Vor der Sanierung: So sah das Gebäude aus, bevor es für eine Million Euro instandgesetzt wurde.

Kassel. Es steht schon knapp 30 Jahre länger als der Herkules und ist damit eines der ältesten Gebäude in Kassel. Nun wurde die ehemalige Drogerie an der Kirchditmolder Zentgrafenstraße für fast eine Million Euro saniert.

Am 1. April eröffnet dort Dr. Karla Bentler eine Frauenarztpraxis im Erdgeschoss. Ober- und Dachgeschoss werden als Wohnungen vermietet.

Als Frauenärztin Karla Bentler mit ihrem Mann Dr. Ralf Bentler die Immobilie kaufte, war sie in einem desolaten Zustand. In das 1689 als Oberförsterei errichtete Gebäude war seit Jahrzehnten nicht investiert worden. Wände drohten wegzukippen und Wasser hatte der Fachwerkkonstruktion zugesetzt. Nach einem knappen Jahr Sanierungsarbeiten erstrahlt das Haus wieder. Dabei legten die Bauherren großen Wert darauf, möglichst viele historische Details zu erhalten.

Anbau zum Garten

„Wir mussten viel Zeit und Geld investieren, um das Haus wieder standsicher zu machen“, sagt Architekt Friedhelm Flott. Während die Fassade mit neuen Schindeln versehen wurde, ist das Fachwerk von den anderen Seiten verputzt. Im Inneren des Hauses wurde das Gebälk teilweise freigelegt. Zudem wurde das Gebäude zum Garten hin um einen Anbau erweitert.

Eines der ältesten Häuser Kassels erstrahlt wieder: Architekt Friedhelm Flott, Frauenärztin Karla Bentler und Heilpraktiker Jörg Leimbach sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Fotos: Ludwig, Archiv

Bei den Sanierungsarbeiten wurden mehrere Geheimnisse des Hauses gelüftet. So wurden bislang unentdeckte Fenster und Türen hinter Wänden freigelegt. Darunter eine Tür aus der Entstehungszeit des Hauses, das erst seit 1945 als Drogerie genutzt wurde. Zudem stießen die Handwerker auf Dachbalken, die von der ursprünglichen Nutzung des Hauses als Oberförsterei gezeichnet waren. Damals wurde die Dachkammer zum Räuchern genutzt und dabei haben die Balken eine entsprechende Patina angesetzt.

Spuren hatten auch Waschbären im Dachboden hinterlassen. Aus alten Rabattmarken der Drogerie aus der Nachkriegszeit hatten die Tiere ihre Nester gebaut.

Alte Zeichnung: Das Gebäude an der Zentgrafenstraße wurde 1689 für Oberförster Anton Grau gebaut.

Während der Terrazzoboden im Erdgeschoss sowie das alte Treppenhaus erhalten werden konnten, musste die historische Haustür nachgebaut werden. Für die denkmalgerechte Instandsetzung hat Ärztin Bentler bereits viel Lob aus der Bevölkerung gehört.

Eindrucksvoll ist auch der 1700 Quadratmeter große Garten, der nicht bebaut werden soll. Als das Gestrüpp beseitigt war, kamen ein alter Teich, mehrere Gartenhäuser und eine alten Eisenbahnanlage, die im Freien betrieben wurde, zum Vorschein. Die Schienen wurden inzwischen entfernt.

Der alte Verkaufsraum der Drogerie wird Wartezimmer, soll aber auch für Veranstaltungen genutzt werden. Kurse und Vorträge sollen dort stattfinden, sagt Bentler, die sich neben der Frauenheilkunde auch in der traditionellen chinesischen Medizin auskennt. Neben ihr wird der Heilpraktiker und Osteopath Jörg Leimbach in den Räumen praktizieren. Die zwei Wohnungen (120 und 76 Quadratmeter) werden über Heindrich Immobilien vermietet.

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