Vor Erstem Weltkrieg erbaut

Erst einsturzgefährdet, bald Schmuckstück: Historisches Landhaus in Kassel wird saniert

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Sie erwecken das Haus zu neuem Leben: Der Kasseler Architekt Elmar Kriesten (li.) und Matthias Henning sowie dessen Lebensgefährtin Sylvia Könneker, die sich das historische Landhaus sanieren lassen.

Kirchditmold. Das vor dem Ersten Weltkrieg erbaute Landhaus an der Wahlershäuser Straße 50 schien dem Untergang geweiht.

Das Kulturdenkmal war einsturzgefährdet, weil der Vorbesitzer selbst daran herumgewerkelt hatte, ohne einen Statiker zu konsultieren. Seit Anfang des Jahres ist das Schmuckstück nun in guten Händen.

Matthias Henning und dessen Lebensgefährtin Sylvia Könneker investieren 700 000 Euro in die historische Immobilie.

Dafür gibt es viel Lob von den Nachbarn, die seit Jahren den Verfall des Gebäudes beobachteten. Anfangs schien es nicht so, als ob es eine Rettung für das 1913 im Landhausstil errichtete Haus geben würde. Als Matthias Henning und seine Partnerin zum ersten Mal einen Blick auf das zum Verkauf stehende Haus warfen, winkte er ab. „Ich dachte, das ist eine Ruine und fuhr gleich weiter“, erzählt er. Schließlich war es seine Leidenschaft für Nostalgisches, die ihn Zurückkehren ließ.

Historische Aufnahme: Diese Aufnahme zeigt das Haus bereits mit dem Anbau aus den 50er-Jahren.

Denn der Unternehmer Henning beschäftigt sich in seiner Freizeit mit Oldtimern und deren Aufbereitung. Daher weiß er, dass vermeintliche Rostlauben wieder zum Leben erweckt werden können. Gemeinsam mit dem Kasseler Architekten Elmar Kriesten machte sich das Paar daran, die Sanierung zu planen.

Kriesten, der viel Erfahrung mit der Altbausanierung hat, nahm dem Paar die Angst vor der Aufgabe. Neben der Instandsetzung der historischen Bausubstanz wurde ein neuer Anbau geplant, für den der bestehende Anbau aus den 50er-Jahren abgerissen wurde. So ergänzen sich Modernes und Altes gut, findet Könneker.

Durch die Beschäftigung mit dem Haus ist Henning in die Historie des Hauses eingetaucht. Es war 1913 im Auftrag des Ehepaars Philipp und Karoline Siebert vom Königlichen Hofmaurermeister H. Krug für 17 000 Reichsmark erbaut worden. Damals standen ringsherum kaum Gebäude. Von Beginn an diente der großzügige Bau mit dem Mansardsatteldach als Mehrgenerationenhaus. Es überstand beide Weltkriege und auch die Bomben des Zweiten Weltkrieges richteten nur wenige Schäden an. So blieb es fast ein Jahrhundert lang in Familienbesitz.

Vor der Sanierung: So sah das Gebäude von der Rückseite aus. Der Voreigentümer hatte Teile der Außenwand aufgerissen.

Als es 2009 in die Hände des Vorbesitzers geriet, hätte der es fast zum Einsturz gebracht, weil er den Keller in Eigenregie tiefer legen wollte. „Als wir mit dem Statiker in die Immobilie gegangen sind, hat der die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen“, erzählt Architekt Kriesten.

Bis Ende des Jahres soll der Großteil der Sanierung abgeschlossen sein. „Wir wollen in dem Haus Weihnachten feiern“, sagt Könneker. Neben dem Paar werden auch die Eltern von Matthias Henning einziehen. Eine weitere Etage wird vermietet.

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