Bäume waren krank

Mehr als 50 alte Buchen an der Hessenschanze in Kassel gefällt

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Forstwirt Florian Horst erklärt das Problem: Der Schleimfluss ist von außen schlecht zu erkennen. Wenn die Stämme abgeschnitten sind, wird der zersetzende Prozess aber gut sichtbar.

An der Hessenschanze in Kassel mussten mehr als 50 alte Buchen gefällt werden. Der Grund: Die Bäume waren krank.

  • An der Hessenschanze in Kassel mussten über 50 alte Buchen gefällt werden.
  • Die Bäume waren krank.
  • Wanderwege wurden verlegt.

Die Hessenschanze in Kassel ist ein beliebtes Ausflugsziel. Doch wer länger nicht dort war, wird viele Ecken kaum wiedererkennen. Es tun sich ungewohnte Waldlichtungen auf. Vergangene Woche mussten zum zweiten Mal in kurzer Zeit Dutzende alte Buchen gefällt werden.

Besonders rund um den Walderlebnispfad, wo sich viele Menschen aufhalten, musste wegen akuter Baumsturzgefahr besonders stark eingegriffen werden. Denn viele der bis zu 200 Jahre alten Bäume seien von Mikroorganismen befallen, erläutert Florian Horst, stellvertretender Revierleiter beim Hessen-Forst.

Kassel: Keine Alternative zur Baum-Fällung an der Hessenschanze

Wenn Förster Horst die großen Polter, also das abgelegte Holz, mit den massiven Stämmen sieht, wird er wehmütig. Es habe allerdings keine Alternative zu den Fällungen in Kassel gegeben, auf die er immer wieder von Spaziergängern und Anwohnern angesprochen wird. Die Sicherheit der Waldbesucher gehe vor.

Gefahrenstellen: Wie hier in der Nähe einer Bank und des Spielplatzes mussten alte Baumriesen weichen.

Von außen sind die Schäden an den Bäumen für Laien kaum erkennbar – sie wirken massiv. Beim genauen Hinsehen erkennt man aber Feuchtigkeit, die aus den Stämmen austritt. „Das ist der sogenannte Schleimfluss“, sagt Horst. Der Zersetzungsprozess sorge dafür, dass die Bäume instabil werden. Auslöser für die Erkrankung seien die beiden zurückliegenden trockenen Sommer in der Region Kassel.

Bäume in Kassel gefällt: Auch Wanderwege an der Hessenschanze werden überprüft

Allein vergangene Woche wurden 53 Baumriesen an der Hessenschanze in Kassel gefällt. Besonders jene in der Nähe von stark frequentierten Waldwegen, Infotafeln, Sitzbänken und des Spielplatzes waren betroffen. Um das Risiko weiter zu minimieren, will der Naturpark Habichtswald im Frühjahr etliche Waldwege, Sitzbänke und Infotafeln verlegen. 

„Wir haben im gesamten Naturpark etwa 1500 bis 2000 Bänke und Tafeln. Jeden einzelnen Standort müssen wir überprüfen. Das wird keine leichte Aufgabe“, sagt Jürgen Depenbrock, Geschäftsführer des Naturparks. Dafür sei extra ein Mitarbeiter eingestellt worden. 

Auch müssten die Wanderwege zum Teil neu markiert werden. „100-prozentige Sicherheit wird es im Wald aber nie geben“, stellt Depenbrock klar. Im Frühjahr werde sich zeigen, ob der restliche Buchenbestand erhalten werden kann, so Forstwirt Horst. „Ich gehe aber davon aus, dass wir im Herbst weitere Bäume fällen müssen“, sagt er weiter. Für Nachwuchs sei gesorgt. Wobei der Förster auf natürliche Verjüngung setzt. „Nachpflanzen müssen wir hier nicht.“ Es gebe genug junge Bäume, die durch die kahlen Stellen nun mehr Licht bekämen und so schneller wachsen würden.

Von Bastian Ludwig

In Kassel waren nach dem extrem heiße Sommern 2018 und 2019 rund 12.000 Bäume krank und mussten überprüft werden.

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