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Kassel: E-Scooter als Verkehrshindernis benutzt - Autofahrer sollen ausgebremst werden

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Von: Bastian Ludwig

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In Kassel-Kirchditmold werden E-Scooter zur Verkehrsberuhigung genutzt. In einer Straße mit viel Durchgangsverkehr dienen sie als mobiles Hindernis.

Kassel – Mit dem Einzug der E-Scooter in die Großstädte ist eine kontroverse Debatte entbrannt. Die einen lieben die Leih-Elektroroller, um kurze Distanzen zu überwinden. Die anderen stören sich daran, dass sie überall im Stadtraum herumstehen und mitunter Wege blockieren. Eine ungewöhnliche Verwendungsweise ist in Kassel im Stadtteil Kirchditmold zu beobachten.

Dort nutzen einer oder mehrere Unbekannte in der Straße Riedwiesen die Roller, um sie regelmäßig als Hindernis am Straßenrand zu platzieren, um so offenbar die Autofahrer zu disziplinieren.

Aufmerksamen Auto- und Radfahrern sind sie in den vergangenen Wochen aufgefallen: Eine Handvoll E-Scooter, die fast täglich an der Straße Riedwiesen auf Höhe der Hausnummer 26 am Fahrbahnrand stehen. Dort sind regelmäßig bis zu fünf Roller im Bereich der dortigen Verkehrsinsel akkurat platziert – offenbar, um den Verkehr weiter zu beruhigen und ein Befahren des Bürgersteiges bei Gegenverkehr zu verhindern.

Häufiges Bild an den Riedwiesen: Auch gestern standen dort fünf E-Scooter unmittelbar am Straßenrand, um bei Begegnungsverkehr ein Befahren der Bürgersteige zu verhindern.
Häufiges Bild an den Riedwiesen: Auch gestern standen dort fünf E-Scooter unmittelbar am Straßenrand, um bei Begegnungsverkehr ein Befahren der Bürgersteige zu verhindern. © Bastian Ludwig

Kassel: E-Scooter in Kirchditmold absichtlich als Verkehrshindernis genutzt?

Auch der Verleiher der Scooter, die Berliner Firma Tier, hat sich nach Hinweis eines Anwohners mit dem Phänomen befasst. Sie ist eine von drei Firmen, die in Kassel E-Scooter verleihen. Es stellte sich heraus, dass die Roller schon mehrfach ausgeliehen wurden, um sie an der immer gleichen Stelle zu platzieren. Dies wäre so weit nicht ungewöhnlich. Aber wenn sie einmal dort standen, wurden sie in der Regel nicht weiter ausgeliehen und bewegt. Alle drei Tage kam daher zuletzt ein Mitarbeiter der Firma Tier vorbei, um die Roller mit dem Transporter einzusammeln, um sie an anderer Stelle abzustellen, wo die Chance auf einen Verleih größer ist.

Ein Anwohner hat beobachtet, dass es manchmal nur wenige Stunden dauerte, bis die Roller wieder in der Straße Riedwiesen in der gleichen Weise geparkt waren. Zuletzt wurden sie für den Transport dorthin nicht einmal ausgeliehen, sondern einfach nur umgehoben, um als mobiles Verkehrshindernis genutzt zu werden.

Aus Sicht des Verleihers Tier sei der Einsatz der Scooter zwar sehr ungewöhnlich, aber keinesfalls problematisch, so ein Unternehmenssprecher. Die Fahrzeuge seien ordnungsgemäß abgestellt gewesen. Dies habe auch das Kasseler Ordnungsamt bestätigt, das ebenfalls in der Sache befragt wurde. Für die E-Scooter würden die gleichen Regeln für das Abstellen gelten wie für Fahrräder. Sie dürften also sowohl auf dem Bürgersteig wie am Fahrbahnrand abgestellt werden, wenn sie auf dem Gehsteig Fußgänger weder behindern noch gefährden und Parkverbote beachtet werden.

Kassel: Streit in der Nachbarschaft um Durchgangsverkehr wohl Grund für E-Scooter-Affäre

„Bei der Sache handelt es sich offenbar um einen Streit in der Nachbarschaft um den Durchgangsverkehr in der Straße. Wir sehen keinen Handlungsbedarf, weil keine Ordnungswidrigkeit vorliegt und zudem unsere E-Scooter an der Straße weiterhin für den Verleih bereitstehen“, so der Tier-Sprecher. Auch das Umheben der Scooter ohne Ausleihe sei nicht verboten.

Ortsvorsteherin Elisabeth König (Grüne) hat in der Sache mit mehreren Anwohnern gesprochen. Diese hatten das Phänomen ebenfalls schon beobachtet und begrüßten den Einsatz der Roller. Zuvor seien Autofahrer häufig auf den Bürgersteig gefahren, um im Bereich der Verkehrsinsel bei Gegenverkehr nicht warten zu müssen. Dies werde durch die Roller verhindert. Auch König sieht kein Problem. (Bastian Ludwig)

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