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Kassel: Läden sollen für Kita weichen – Kirchditmolder kämpfen um Stadtteil

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Von: Bastian Ludwig

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In Kassel sollen drei Läden den Ortskern von Kirchditmold verlassen – Platz für eine neue Kita. Eine Initiative fürchtet um ihren Stadtteil und protestiert.

Kassel – Kirchditmold hat mobilisiert, und die Menschen kamen am Mittwochmorgen an die Zentgrafenstraße, um ihren Unmut kundzutun. Gut 150 Menschen protestierten dort gegen die Verdrängung von drei Einzelhandelsgeschäften, die für eine neue Kita weichen sollen. Lautstark skandierten die Demonstranten: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Mitte klaut.“ Doch während auch mehrere Vertreter aus der Stadtpolitik sich solidarisch zeigten, tauchten die Adressaten des Protestes – der Eigentümer der Immobilie, der Kita-Träger und die Stadtplanung – nicht auf.

Initiative fürchtet um Ortskern von Kirchditmold: Politik nimmt Belange der Bürger ernst

Die Identifikation der Kirchditmolder mit ihrem Ortskern war spürbar. Und die Anwesenheit des OB-Kandidaten Sven Schoeller (Grüne) und des SPD-Vorsitzenden Ron-Hendrik Hechelmann bewies, dass auch die Politik das sensible Thema erkannt hat. Alle waren kurzfristig gekommen, um vor Ort den betroffenen Einzelhändlern den Rücken zu stärken. Denn der Kindermodeladen „Piepmatz“ und die „Zentgrafen Buchhandlung“ sollen für eine neue Kita mit drei Gruppen nächstes Jahr aus ihren Geschäften weichen. Ein Bioladen musste bereits Mitte Oktober ausziehen. Der Tenor der Demonstranten lautete: Kirchditmold brauche eine Kita, aber nicht zu dem Preis.

Eigentlich wollten sich Vertreter des Eigentümers, der Coco Real GmbH aus Sonthofen, des Kita-Trägers AKGG und der Stadtplanung am 19. Oktober 2022 um 9 Uhr an der Ladenzeile treffen, um eventuell mögliche Alternativen zur Kündigung der verbliebenen Einzelhändler auszuloten. Doch vor den Protestierenden zeigten sie sich nicht. Ortsvorsteherin Elisabeth König (Grüne) fand dies bedauerlich. Dies sei kein gutes Zeichen und „wenig mutig“.

Kirchditmolder Büchereiinitiative: „Lage ist ohnehin prekär für inhabergeführte Geschäfte“

Mit unter den Protestierenden waren Dorothea Cüppers und Uwe Krahl von der Kirchditmolder Büchereiinitiative, die ebenfalls an der Zentgrafenstraße beheimatet ist. „Wir versuchen seit Jahren, den Ortskern zu beleben. Die Lage ist ohnehin prekär für inhabergeführte Geschäfte. Die nun geplante Verdrängung ist völlig kontraproduktiv“, sagt Krahl. Er verweist auf die Landesförderung zur Aufwertung des Ortskerns, über die 220 000 Euro nach Kirchditmold fließen. Pläne für Umgestaltung legte die Politik aus Kirchditmold erst vor Kurzem offen.

Cüppers ergänzt, dass es zwischen Bücherei und Buchhandlung eine gute Zusammenarbeit gebe. Diese stehe nun ebenfalls auf dem Spiel. Sibylle Walz, Inhaberin der Zentgrafen Buchhandlung, sieht ihre Existenz bedroht. Sie hofft darauf, dass der Kasseler Kita-Träger AKGG erkennt, welche Folgen die Verdrängung der Einzelhändler hätte und auf den Vermieter aus Süddeutschland einwirkt. Schließlich gebe es auch die ursprünglich geplante Variante, weitere Kita-Flächen im Garten des Hauses zu schaffen. „Dafür gibt es sogar bereits eine Baugenehmigung“, so Ortsvorsteherin König. Der Investor hatte von diesen Plänen aber Abstand genommen, weil sie „nicht umsetzbar“ gewesen seien.

Sie stärkten den Einzelhändlern den Rücken: Uwe Krahl (von links), Dorothea Cüppers und Ortsvorsteherin Elisabeth König demonstrierten mit 150 weiteren Menschen auf der Zentgrafenstraße.
Sie stärkten den Einzelhändlern den Rücken: Uwe Krahl (von links), Dorothea Cüppers und Ortsvorsteherin Elisabeth König demonstrierten mit 150 weiteren Menschen auf der Zentgrafenstraße. © Bastian Ludwig

Proteste in Kirchditmold: „Das geht dann alles hier den Bach runter“ – Initiative nimmt Stadt in die Pflicht

Karin Masuch, die ebenfalls zum Protest gekommen ist, kauft gerne in Kirchditmold ein. „Das geht dann alles hier den Bach runter“, fürchtet die Kirchditmolderin. Es brauche eine funktionierende Nahversorgung. Andere Protestierende verweisen darauf, dass die Geschäfte auch die Funktion eines sozialen Treffpunktes hätten. Andrea Lenschen sieht zudem das Problem, dass eine Kita mit drei Gruppen für noch mehr Verkehr im Ortskern sorgen wird. „Wo sollen die Eltern hier parken“, fragt sich Lenschen. Der Parkraum sei schon jetzt sehr knapp.

Der Bürgerverein Kirchditmold fordert ein Eingreifen der Stadt. Weil diese über die Zuschüsse für die Kita und die bauliche Ausgestaltung der Räume mitentscheide, müsse sie ihren Einfluss bei Eigentümer und Kita-Träger geltend machen. Ortsvorsteherin König und weitere Stadtteilvertreter könnten mit einem Kompromiss leben, bei dem die Fläche des entmieteten Bioladens von der Kita genutzt wird. Neben den bereits zur Kita umgebauten Flächen einer ehemaligen Bankfiliale auf der Ladenzeile und dem Gartengrundstück gebe es dann ausreichend Raum für das Kita-Projekt. (Bastian Ludwig)

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