Kassel-Kirchditmold

„Zerstörung der Wohnkultur“ - Bürgerinitiative sagt Kampf an

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Sie fühlen sich durch zu viele und zu große Neubauten bedrängt: Einige Mitglieder der Initiative „Kirchditmold for Future“ vor einem Bauschild des Bauprojektes am Wilhelmshöher Weg.

In Kassel-Kirchditmold will eine Bürgerinitiative überdimensionierten Neubauten nun den Kampf ansagen.

Kassel-Kirchditmold – Sie fühlen sich in ihrer Nachbarschaft zunehmend unwohl: 20 Kirchditmolder haben sich zur Initiative „Kirchditmold for Future“ zusammengeschlossen. Während die Schüler von „Fridays for Future“ gegen den Klimawandel auf die Straße gehen, setzten sich die Kirchditmolder gegen den Wandel in ihren Wohnvierteln ein. Aus ihrer Sicht gibt es dort zu viele überdimensionierte Bauprojekte, die nicht ins Umfeld passen.

Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, hat die im Herbst gegründete Gruppe 400 Unterschriften gesammelt und diese an Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) übergeben. Daraufhin wurden sie von ihm für den heutigen Donnerstag zum Gespräch eingeladen.

„Wir haben Sorge um unseren Stadtteil. Der Frieden ist zerstört“, sagt Sven Gehrich von der Initiative. In Kirchditmold würden vielerorts Einfamilienhäuser abgerissen und anschließend auf den Flächen große Mehrfamilienhäuser gebaut. Als Beispiel nennt er das Grundstück Wilhelmshöher Weg/ Lerchenfeldstraße. Dort sei ein Einfamilienhaus für einen Bau mit acht Wohnungen gewichen. Solche Gebäude würden nicht in die Siedlung passen, die durch Ein- und Zweifamilienhäuser geprägt sei.

Die „Wohnklötze“ seien aber nicht nur um ein ästhetisches Problem. Hinzu kämen die Verkehrs- und Parkplatzprobleme, die mit einer weiteren Verdichtung der Bebauung verbunden seien.

Ähnliche Probleme wie am Wilhelmshöher Weg sieht die Initiative bei Neubauprojekten an der Hohnemannstraße, der Baumgartenstraße und am Hangarstein/ Ecke Eckenstückerweg, wo „zwei viel zu große Stadtvillen“ entstanden seien. Auch am Herlebergweg gebe es Pläne für eine Anlage mit acht Wohnungen. Ein Problem seien die zu laschen Kontrollen des Bauamtes. Immer wieder würden sich Bauherren nicht an Vorgaben halten.

Der Initiative ist es wichtig, zu betonen, dass sie nicht grundsätzlich gegen Neubauten sei. „Es muss aber die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben“, sagt Gehrich. Zudem, so die Initiatoren, würden viel Neubauten am Bedarf vorbei geplant. Statt teure Eigentumswohnungen zu bauen, seien vielmehr günstige Mietwohnungen nötig.

Der Ortsbeirat hatte ebenfalls schon zwei Beschlüsse zum Thema gefasst. Darin wurden Neubauten begrüßt, aber gleichzeitig gefordert, dass dadurch der Charakter der Siedlungen nicht gefährdert wird.

Die Stadt Kassel zeigt sich auf HNA-Anfrage gesprächsbereit für Anregungen und Kritik von Anwohnern. Erst im November hätten Mitarbeiter der Stadtplanung im Ortsbeirat Kirchditmold Rede und Antwort zum Thema „Nachverdichtung“ gestanden. So hätten sie etwa auch darüber informiert, dass im Herlebergweg nach einer Zusammenlegung vonr Grundstücken auch Häuser mit „größerer Kubatur“ als in der Umgebung zulässig seien, so ein Stadtsprecher. Für die Erschließung werde ein Ausbau des Weges derzeit geprüft.

Die Behauptung der Kritiker, die Kontrollen des Bauamtes seien nicht ausreichend, weist die Stadt zurück. Nach erteilter Baugenehmigung seien laut Hessischen Bauordnung zunächst Bauherr, Architekt und Bauleiter verantwortlich für die Realisierung des Vorhabens.

Darüber hinaus nehme die Bauaufsicht stichprobenartige Überprüfungen vor und gehe Hinweisen zu Verstößen nach.

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