Museumsplan von Kasseler Spielzeug-Sammlerin geplatzt: "Von Stadt enttäuscht"

Kasseler Kinder und ihr Spielzeug: Zur Sammlung von Karin Balk gehören auch historische Fotografien, die zumeist um die Jahrhundertwende ins 20. Jahrhundert entstanden sind. Fotos: Fischer / Repro

Kassel. Von der Porzellanpuppe über die Panzer-Puppe bis zur Barbie: Viele Hunderte Spielzeuge aus dem vergangenen Jahrhundert hat die Kirchditmolderin Karin Balk (69) gesammelt.

Ihren Plan, in Kassel ein Museum für Kinderspielzeug zu eröffnen, gibt sie nun auf. In dieser Woche hat sie ihren dafür gegründeten Verein aufgelöst.

„Ich bin enttäuscht von der Stadt, dass im Rathaus meine Idee für das Museum nicht unterstützt wurde“, sagt Balk. Im Jahr 2001 hatte sie einen Verein gegründet, um ihren Traum wahrzumachen. Der Verein hatte in den besten Jahren 47 Mitglieder. Immer wieder stellten diese Ausstellungen auf die Beine – ein fester Ort wurde aber nie gefunden.

Vor allem die historischen Fotografien von Kindern mit ihren Spielzeugen zeigte der Verein bundesweit. Viele Aufnahmen stammen aus Kassel. „Jüngere, aber natürlich auch viele ältere Menschen haben sich für unsere Ausstellungen interessiert. Die älteren entdeckten dabei ihr Spielzeug von damals wieder“, sagt Balk.

Teil der documenta 8: Ein riesiger Steiff-Plüschteddy.

Die Kirchditmolderin hatte vor drei Jahrzehnten begonnen, bei Auktionen und auf Flohmärkten Spielzeuge zu kaufen. Inzwischen kann sie mit ihrer Sammlung, die sie in ihrem Haus aufbewahrt, vier bis fünf Räume füllen.

In den Regalen und Vitrinen finden sich Marionetten, Handspielpuppen, Holz- und Plastikspielzeug sowie Teddybären in allen Variationen: Von solchen, die noch mit Holzwolle gestopft wurden, bis zu plüschigen Steiff-Teddys aus der jüngeren Vergangenheit. Zu ihren Stücken gehört auch ein Foto von einem fünf Meter großen, dreiköpfigen Steiff-Teddy, der zur documenta 8 im Jahr 1987 vom Künstler Charlemagne Palestine in der Karlsaue stand.

Es begann mit Panzer-Puppe

Ihr erstes eigenes Spielzeug bekam Karin Balk im Alter von drei Jahren von ihrem Vater geschenkt: eine sogenannte Panzer-Puppe. Dahinter verbarg sich eine, wegen der Not der Nachkriegsjahre, mit primitiven Mitteln hergestellte Puppe aus Ton, erzählt Balk. Ihren merkwürdigen Namen verdankte sie dem Werbeversprechen, sie sei nicht kaputt zu kriegen. Weil sie aus Ton hergestellt wurde, stellte sich dies als leeres Versprechen heraus, sagte Balk. Ihre eigene Panzer-Puppe hat die 69-Jährige nicht mehr, aber sie hat sich später bei einer Auktion eine neue gekauft.

Wie es nach der Auflösung des Vereins mit ihrer Sammlung weitergeht, weiß die 69-Jährige noch nicht. Sie habe aber Interesse, zumindest die historischen Spielzeugfotografien weiter auszustellen.

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