Schulleiterin kritisiert Nähe zu "Zigarettenautomat und Alkoholika"

Ärger um Schulessen: Grundschüler sollten in Kirchditmolder Vereinsheim essen

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Grundschule in Kirchditmold: Die Gaststätte des Sportlerheims des VfL Kassel ist nur wenige Schritte vom Schulgelände entfernt. Die Kinder können die Gaststätte erreichen, ohne eine Straße überqueren zu müssen. 

Kassel. Damit die Grundschule Kirchditmold in Kassel zur Ganztagsschule werden kann, sollten die Schüler in den ersten Jahren in einer Gaststätte Mittag essen. Für die Schulgemeinde ein unzumutbarer Vorschlag. 

Schon seit acht Jahren bemüht sich die Grundschule Kirchditmold um eine Umstellung auf Ganztagsbetreuung. Aus der Sicht des Schulverwaltungsamts war die Schule bis vor wenigen Tagen dicht dran, ihr Ziel in näherer Zukunft zu erreichen.

Doch das Ganze hatte einen Haken: Die Grundschüler sollten nach der Idee des Amtes in der Gaststätte des benachbarten Sportlerheims des VfL Kassel in den ersten Jahren zu Mittag essen. Denn eine Mensa müsste auf dem Schulgelände erst noch gebaut werden.

Aus Sicht der Schulgemeinde ist das jedoch ein unzumutbarer Vorschlag. Auch im Gespräch mit Bernd Heger vom Schulverwaltungsamt bekräftigten die Schulleiterin Jutta Reitze-Löber und zahlreiche Eltern betroffener Schüler während der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats Kirchditmold ihre Ablehnung und ernteten dafür viel Verständnis von Mitgliedern des Gremiums.

Platz für 100 Personen: In der Sportbar XOX im VfL-Heim hätten die Schüler in zwei Schichten essen können. Das Amt wollte für eine kindgerechte Bestuhlung sorgen. Mitpächterin Anna Riedel zeigte sich überrascht von der Ablehnung der Schulgemeinde. Sie hält ihren Gastraum als Mensa für gut geeignet . 

Die Ganztagsschule rückt mit dieser Entscheidung aber wohl in weite Ferne. Denn bis zum Bau einer Mensa könnten mindestens drei Jahre vergehen, selbst wenn das Projekt von der Stadt Kassel als dringlich angesehen werde, meinte Heger. Möglich, dass sich Lehrer und Eltern noch deutlich länger werden gedulden müssen. Kirchditmold stehe in Konkurrenz zu ähnlichen Anträgen anderer Grundschulen. Außerdem müsse die Stadt einen Sanierungs- und Erweiterungsstau in vielen Schulen abbauen. Die mindestens zwei Millionen Euro Kostenaufwand für den Bau einer Mensa seien dabei kein gutes Argument, um auf der Prioritätenliste nach oben zu gelangen, sagte Heger.

Sie finde den Vorschlag des Amtes „erschreckend“, sagte Reitze-Löber. Eine Kneipe sei kein geeigneter Standort für Kinder. Sie müssten dort einen Zigarettenautomaten und Alkoholika sehen. Heger versteht die Empörung nicht. Fachleute hätten die Nichtraucher-Gaststätte überprüft, die Schule könne einen Caterer-Dienst frei wählen, die Wirtsleute wollten das Essen sogar servieren.

Der Ortsbeirat forderte die Stadt auf, zeitnah auf dem Schulgelände eine Mensa zu errichten. Der Beschluss soll in der Stadtverordnetenversammlung verlesen werden, um den Druck zu erhöhen. Nur Rolf Gredy von den „Kritischen Bürgern“ stimmte dagegen. Er lehne grundsätzlich die Ganztagsschule ab. Die Schule habe inzwischen zugesagt, bis Ende März einen förmlichen Antrag auf Ganztagsbetrieb und ein Betreuungs- und Raumkonzept vorzulegen, teilte Heger auf Anfrage mit. Ein solches Konzept habe die Schule bisher - entgegen ihrer Behauptung - nämlich noch nicht vorgelegt. Es sei nötig für die Kostenkalkulation und die Beantragung der zusätzlichen Betreuungsstellen beim Kultusministerium.

Beim Schulessen eine Chance vergeben

Im aktuellen Fall wurde eine echte Chance vergeben, glaubt unser Kommentator. Und er erklärt, warum ein Schulessen in Gaststätten andernorts durchaus funktioniert.  

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