Friedhelm Mantel ist ein echter Handwerker

Kasseler bringt kaputte Radios und Fernseher wieder in Schuss

Handarbeit: Friedhelm Mantel kriegt so ziemlich jedes Gerät hin – egal wie alt es ist und um welches Fabrikat es sich handelt. Foto: Koch

Kassel. In Friedhelm Mantels Werkstatt in Kirchditmold wird noch richtig handwerklich gearbeitet: gemessen, geschraubt, gelötet und verdrahtet. Der 64-Jährige repariert Fernseher, Stereo-Anlagen, Videorekorder, Sat-Receiver, Radios und alle anderen Geräte im Bereich der Unterhaltungselektronik – ganz gleich, wie alt sie sind und um welches Fabrikat es sich handelt.

Und das seit einem halben Jahrhundert. In diesem Jahr feiert der Radio- und Fernsehtechnikermeister sein 50-jähriges Berufsjubiläum – und ist somit einer der wenigen, die die Entwicklung von der Röhrentechnik bis zur heutigen Hochleistungselektronik hautnah mitverfolgt haben.

Mit 13 in die Lehre

Nach der Volksschule in seinem Heimat- und Wohnort Espenau-Hohenkirchen begann Mantel eine Lehre bei Fernseh-Vesper in Kassel. Mit 17 hatte er als einer der Jüngsten seines Faches ausgelernt, mit 25 Jahren machte er seinen Meister. Dann baute er für den damaligen Edel-Stereo-Anlagen-Hersteller Wega das Service-Zentrum Kassel auf, später auch für Akai, Aiwa, Marantz und die Schweizer Nobelmarke Revox, für die der verheiratete Vater zweier erwachsener Söhne seit 1981 Service-Partner ist. „Ich bin eine der ältesten Revox-Servicestellen bundesweit“, sagt Mantel nicht ohne Stolz. In jenem Jahr machte er sich auch selbstständig.

In der Hauptsache nehmen er und ein Mitarbeiter – unterstützt von Ehefrau Gisela – Reparaturen vor. Aber Mantel verkauft auch Neugeräte, liefert sie nach Hause, richtet und stellt sie ein und kommt, wenn etwas nicht stimmt. Darüber hinaus überspielt er so ziemlich alle Videos auf DVD: VHS, VHS-C, Beta, Video 8-High 8, DV-Kassetten und viele andere Formate.

Reparaturen wie bei Mantel bietet im Großraum Kassel nur noch eine Handvoll Betriebe an. Die meisten Fachgeschäfte und Ketten tauschen bei Defekt um oder schicken die Geräte ein. Um die alten Schätzchen kümmert sich noch kaum jemand. Aufhören will Mantel noch nicht. „Mir macht es noch immer Spaß, und unsere Stammkundschaft hält uns die Treue“, sagt er. Und dennoch: In einigen Jahren sei Schluss. Möglicherweise übernehme sein Mitarbeiter das Geschäft. Denn die Söhne seien beruflich andere Wege gegangen. Der eine arbeite für die Bundesbank, der andere sei Mathematiker.

Von José Pinto

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