Durchschnittsmiete liegt bei 3,21 Euro

Riedwiesensiedlung in Kassel wird 100 Jahre: Ein Paradies mit langer Warteliste

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Ein Wohnidyll: Die an den Traufen weit überstehenden Spitzdächer sind das Markenzeichen der Riedwiesensiedlung. Dieses Bild wurde 1933 vom Kirchditmolder Lindenberg in Richtung Bergpark aufgenommen.

Vor 100 Jahren wurde der Grundstein für Riedwiesensiedlung in Kirchditmold in Kassel gelegt. Wir blicken zurück auf ein Paradies mit langer Warteliste.

Im Volksmund bekam die Kirchditmolder Riedwiesensiedlung schon mehrere Spitznamen: Wegen der markanten Dächer wurde sie „Dachhausen“ genannt. Zeitweise sprach man vom „Tintenviertel“, weil viele Lehrer in der Siedlung lebten. Die Ursprünge der denkmalgeschützten Gesamtanlage, die heute wegen der günstigen Mieten begehrt ist, reichen bis ins Jahr 1919 zurück.

Am 21. März 1919 wurde die Erbbau-Genossenschaft Kassel gegründet. Nach den Plänen des Architekten Hans Soeder, der auch Direktor der Kasseler Kunstakademie war, errichtete die Genossenschaft in den Jahren 1921 bis 1938 insgesamt 100 Ein-, Doppel- und Mehrfamilienhäuser. Die Gebäude bieten Platz für 178 Wohnungen. Zum Konzept des naturnahen Wohnens gehörten große Gärten, aus denen sich die Bewohner selbst versorgten. Zwei Bäche (Diedichsborn und Riedwiesen-Bach) fließen bis heute durch die Gärten.

Bäche fließen durch die Siedlung: Gleich zwei Bachläufe schlängeln sich durch die Gärten.

Im Zweiten Weltkrieg wurden nur wenige Häuser völlig zerstört. Etliche wurde wieder aufgebaut. Insofern ist es eine der wenigen Siedlungen in Kassel, die nahezu in ihrem Ursprungszustand erlebbar sind. In der Nachkriegszeit wurde das Erbbauland von der Stadt an die Genossenschaft übertragen.

An der Philosophie der Genossen, preiswerten Wohnraum zur Verfügung zu stellen, halten die 350 Mitglieder bis heute fest. „Unsere Durchschnittsmiete liegt bei 3,21 Euro. Die Preise für frisch sanierte Wohnungen variieren zwischen fünf und 5,50 Euro – je nachdem, ob es sich um ein Ein- oder Doppelhaus handelt“, sagt Peter Erny vom Genossenschaftsvorstand.

Die Kombination aus hoher Wohnqualität und günstigen Mieten sorgt für einen regelrechten Ansturm von Interessen. „Bereits um die 350 Personen stehen auf unserer Warteliste“, sagt Erny. Wobei Familien mit mehreren Kindern bessere Chancen hätten. Allerdings sei die Fluktuation in den Häusern relativ gering, weshalb mehrjährige Wartezeiten üblich seien.

Aber wie ist es überhaupt möglich, so günstig Häuser anzubieten? Dies liegt daran, dass ein Großteil der Mitarbeiter ehrenamtlich für die Erbbau-Genossenschaft tätig ist. „Wir stecken unsere Mieterlöse fast vollständig in die Sanierung der Gebäude und finanzieren fast alles aus eigenen Mitteln – ohne Kredite“, sagt Erny. Nach und nach wurden so in den vergangenen Jahren die Häuser modernisiert, wobei die Anforderungen an den Denkmalschutz hoch sind.

Am 24. August findet anlässlich des Geburtstags das Riedwiesenfest statt. Auch eine Chronik soll erscheinen.

100 Jahre Riedwiesensiedlung in Kirchditmold

 © Repro: Bastian Ludwig
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 © Bastian Ludwig
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