Dacharbeiten am Rötheweg- und Straßenäckerweg

Sanierung in Kassel bringt Mauersegler in Not

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Von Mietern dokumentiert: tote Mauersegler. Das Foto entstand Anfang Mai. Nester fanden sich quasi an allen Gebäuden.

Kirchditmold. Tote Tiere und zerstörte Brutstätten: Mieter sind über die Folgen der Dachsanierung in den Vonovia-Häusern am Röthe- und Straßenäckerweg entsetzt.

Seit Jahrzehnten dienen Mauerseglern die denkmalgeschützten Mietshäuser am Röthe- und Straßenäckerweg als Brutstätte. Von Mai bis August brüten Hunderte der pfeilschnellen Segler in der Kirchditmolder Siedlung, ehe sie sich ins Winterquartier aufmachen. Doch in diesem Frühsommer ist in Kassel alles anders: Das Wohnungsbauunternehmen Vonovia lässt die Dächer und Fassaden der Häuser sanieren. Der Umbau bringt die Mauersegler wegen des Verlusts ihrer Nester in Not. Und er hat nicht wenige der geschützten Vögel und ihrem Nachwuchs bereits den Tod gebracht. Das belegen Fotos.

Nester an allen Gebäuden

Die Bewohner wollen anonym bleiben. Die Mieter waren es auch, die über die Vorfälle die Stadt Kassel informiert haben. Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) stellten darauf hin fest, dass offensichtlich alle zur Sanierung anstehenden Gebäude der Siedlung hauptsächlich von Mauerseglern, aber auch von Spatzen als Brutstätte genutzt werden.

Großbaustelle: Die Vonovia lässt ihre Mehrfamilienhäuser an Rötheweg und Straßenäckerweg sowie an der Wolfhager Straße sanieren. Dabei tauchten in den Hohlräumen an Dächern und Fenstern zahlreiche Brutvögelnester auf – vor allem von Mauerseglern. 

„Das Bundesnaturschutzgesetz schreibt hier vor, dass die Brutstätten nicht gestört oder gar vernichtet werden dürfen“, erklärt Stadtsprecher Michael Schwab. Deshalb seien die Arbeiten zunächst in Absprache mit einem Artenschutzgutachter und einem Ornithologen fortgesetzt worden. „Doch dann stellten die Fachleute fest, dass wegen der großen Zahl an Nestern eine Weiterführung der Dachsanierung nicht möglich ist“, so Schwab. Die Naturschutzbehörde habe deshalb die Dacharbeiten bis zum Ende der Brutzeit einstellen lassen.

„Im Verlauf der Aktion“ hätten leider Elterntiere einige Gelege verlassen, berichtet Schwab. Die verbliebenen Eier oder Jungvögel seien von Ehrenamtlichen der Vogelauffangstation Kassel übernommen worden, würden ausgebrütet und aufgezogen.

Nistkästen gefordert

Um die große Mauerseglerpopulation zu erhalten, habe die Stadt der Vonovia aufgetragen, nach der Sanierung Nistkästen anzubringen. Im Zweifel, so Schwab, sei es immer sinnvoll, vor einer Baumaßnahme mit der Behörde sicherzustellen, dass die Tierwelt nicht gefährdet werde.

Für viele Tiere im Bereich Rötheweg kommt dieser Ratschlag zu spät.

Das sagt die Vonovia 

„Artenschutz nehmen wir sehr ernst“ Nach Angaben des Wohnungsunternehmens Vonovia (Bochum) laufen in Kassel die Modernisierungen der Mehrfamilienhäuser Rötheweg 1 bis 14, Straßenäckerweg 14, 16 und 18 sowie Wolfhager Straße 210 bis 220. „Wir nehmen den Artenschutz sehr ernst“, versichert Unternehmenssprecherin Bettina Benner zu den zahlreich aufgetauchten Brutstätten in der Siedlung. In enger Absprache mit der Stadt werde die Sanierung fortgesetzt. Das sei mit Verzögerungen verbunden, stelle aber kein größeres Problem dar. Die Vonovia – 2001 als Deutsche Annington gegründet – gilt mit rund 400.000 eigenen und verwalteten Wohnungen als das größte Wohnungsunternehmen und als der größte private Vermieter in Deutschland. In Kassel bewirtschaftet sie rund 2000 Mietwohnungen.

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