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Sie will nicht weichen: Buchhändlerin kämpft gegen Kita-Pläne

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Von: Bastian Ludwig

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Sie kämpft für ihr etabliertes Geschäft: Sybille Walz macht sich Sorgen um ihre Zentgrafen Buchhandlung in Kirchditmold.
Sie kämpft für ihr etabliertes Geschäft: Sybille Walz macht sich Sorgen um ihre Zentgrafen Buchhandlung in Kirchditmold. © Bastian Ludwig

Weil drei Geschäfte für eine neue Kita weichen sollten, gibt es in Kirchditmold in Kassel seit Wochen eine große Debatte. Inzwischen haben über 800 Menschen für den Erhalt der Läden unterschrieben.

Kirchditmold – Auf der Internetseite ihrer Zentgrafen Buchhandlung beschreibt sich Inhaberin Sybille Walz als Mensch, der „meist guter Dinge“ sei. Der Eintrag ist schon eine Weile her. Denn aktuell trägt die 57-jährige Buchhändlerin viel Wut und Enttäuschung mit sich herum. Diese kamen im September auf, als ihr der Vermieter mitteilte, sie müsse ihren etablierten Laden an der Zentgrafenstraße – wie zwei weitere benachbarte Geschäftsleute – für eine neue Kita räumen.

Inzwischen gibt es viel Widerstand aus der Bevölkerung gegen die veränderten Kita-Pläne im Kirchditmolder Ortskern. An einer Unterschriftensammlung haben sich bisher mehr als 800 Menschen beteiligt.

Walz erinnert sich noch gut an den Tag, als ein Mitarbeiter ihres Vermieters, der Coco Real aus dem Allgäu, in ihre Buchhandlung kam. Sie hatte da bereits eine Vorahnung. Ihre Nachbarin, die Betreiberin eines Kinder-Second-Hand-Ladens, hatte zu dem Zeitpunkt bereits eine Kündigung erhalten.

Gegen Kita-Pläne: Buchhändlerin in Kassel kämpft für ihr Geschäft

„Der Mitarbeiter hat erst herumgedruckst und mir dann zu verstehen gegeben, dass ich ausziehen müsse. Man würde mir auch mit der Miete entgegenkommen, wenn ich vor dem Ablauf meiner Kündigungsfrist Ende Juli 2023 ausziehen würde“, erzählt Walz. Erst da habe sie davon erfahren, dass sich die seit Langem geplante Kita des Kasseler Trägers AKGG nicht nur – wie vom vorherigen Immobilieneigentümer vorgesehen – auf die seit Jahren leer stehende Bankfiliale in der Ladenstraße und einen rückwärtigen Neubau beschränken, sondern nun auf drei benachbarte Ladengeschäfte erstrecken soll. Walz prophezeite dem Mitarbeiter des Vermieters, dass es einen großen Aufruhr geben werde, wenn für die Kita drei Läden weichen müssen. „Der Mitarbeiter schien meine Einschätzung nicht zu teilen.“

Walz sollte recht behalten. Nachdem mit einem Bauernmarkt im Oktober das erste Geschäft schließen musste, weil der Vertrag nicht verlängert wurde, wuchs der Widerstand im Stadtteil und mündete in einer Protestaktion. Bei dieser zeigten sich auch der grüne OB-Kandidat Sven Schoeller und der SPD-Vorsitzende Ron-Hendrik Hechelmann solidarisch. Auch der Ortsbeirat kämpft für den Erhalt der Geschäfte. Alles andere laufe den jahrelangen Bemühungen zuwider, den Ortskern zu beleben, so Ortsvorsteherin Elisabeth König.

Walz räumt ein, dass sich der Vermieter inzwischen ehrlich bemüht habe, alternative Flächen für die Geschäftsleute zu suchen. In der Umgebung gebe es aber schlicht keine, die bezahlbar seien. Anke Hoven-Steinhäuser vom gekündigten Kinderbekleidungsgeschäft „Piepmatz“ hat zumindest mehr Zeit bekommen. Sie darf mindestens bis Ende März bleiben. Hoven-Steinhäuser hat auch schon erfolglos andere Flächen gesucht.

Buchhändlerin in Kassel kämpft für ihr Geschäft: juristisch keine Chance

Sibylle Walz ist sich im Klaren, dass sie juristisch keine Chance hat, eine Kündigung abzuwenden. Ihre Hoffnungen ruhen auf dem Runden Tisch, der bald zum zweiten Mal tagen soll. Vermieter, Kita-Träger, Stadt und Ortsbeirat suchen eine Lösung, die möglichst dem Kita-Vorhaben und den Geschäften gleichermaßen gerecht wird. „Ich halte es für unverschämt, Kita und Geschäfte gegeneinander auszuspielen. Wir sind nicht gegen Kinder“, so die zweifache Mutter. Mit den veränderten Kita-Planungen habe man den Geschäften aber die Pistole auf die Brust gesetzt.

Die Stadt bezieht in der Auseinandersetzung keine Position. Sowohl eine kleinteilige Ladenstruktur wie eine Kita seien wertvoll, so ein Stadtsprecher. Vermieter Coco Real und AKGG wollen sich erst öffentlich äußern, wenn die Prüfung von Alternativen abgeschlossen ist. Dann werde man das weitere Vorgehen erläutern.

Noch bis 6. Dezember will ein Aktionsbündnis Unterschriften für die Geschäfte sammeln. Dann sollen diese bei der nächsten Stadtverordnetenversammlung übergeben werden. (Bastian Ludwig)

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