VfL-Vorstand und Wirt äußern sich zu Befürchtungen der Schulgemeinde

Streit um Schul-Essen in Kasseler Vereinsheim geht weiter

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Ganz nah beieinander: Vom Gelände der Grundschule Kirchditmold aus sind es nur wenige Schritte über den Gala-Metzner-Platz zum Vereinsheim des VfL Kassel (hinten rechts), wo die Kinder auf Vorschlag des Schulverwaltungsamts mittags essen könnten.

Kassel. Die Debatten flachen nicht ab: Noch immer wird in Kassel darüber gestritten, ob Grundschüler in einer Gaststätte ihr Mittagessen genießen sollten - oder eben nicht.

Im Stadtteil Kirchditmold gibt es weiterhin rege Debatten darüber, dass die Leitung der Grundschule und Teile der Elternschaft es unzumutbar finden, die Kinder zum Schul-Mittagessen übergangsweise in die benachbarte Vereinsgaststätte des VfL Kassel zu schicken.

Im Ortsbeirat hatte Schulleiterin Jutta Reitze-Löber gesagt, sie finde einen entsprechenden Vorschlag der Kasseler Schulverwaltung „erschreckend“: Im VfL-Heim könnten die Schulkinder mit Zigarettenautomaten und Alkoholika konfrontiert werden. Die Schulgemeinde setzt vielmehr darauf, dass eine eigene Mensa auf dem Schulgelände gebaut wird.

Schulleitung will sich erst in nächsten Tagen äußern

Auf mehrfache Anfragen der HNA hat die Schulleitung bis zum Dienstag keine Stellung zu ihrer Sicht der Dinge genommen. Sie verwies darauf, sich in den nächsten Tagen äußern zu wollen. Allerdings nur im Beisein der Schulverwaltung und während eines Vor-Ort-Termins an der betroffenen Schule.

Peter Döhne ist der Vorsitzende des VfL Kassel.

Unterdessen haben die VfL-Führung und der Wirt des Clubhauses bekundet, dass sie die Haltung der Schulgemeinde nicht verstünden. VfL-Vorsitzender Peter Döhne sieht seinen Verein in ein schlechtes Licht gerückt: Das Clubhaus sei „keine Kneipe. Da treffen sich Sportler, da finden Feiern statt und da wird auch gegessen.“ Geraucht werde dort aber nicht.

Über 300 Kinder und Jugendliche, die Jüngsten vier Jahre alt, würden beim VfL Fußball spielen und fallweise auch das Clubhaus nutzen, betonte Döhne. Dass dies eine schlechte Umgebung für Grundschulkinder sein solle, sehe er nicht. Die Begründungen der Schulgemeinde halte er persönlich für „vorgeschützt“, sagte der Vereinschef: „Da werden irgendwelche Argumente gesucht, um gegen diese Lösung zu sein.“

Clubhaus öffnet erst ab 18 Uhr für Gäste

Auch Vereinswirt Francisco Sanchez hat kein Verständnis für die Vorbehalte. Er wies darauf hin, dass das Clubhaus erst ab 18 Uhr fürs Publikum öffne. Mittags „wären die Kinder dort ganz für sich“, sagt er.

Von Eltern junger Sportler habe sich „noch nie jemand beschwert“ über Kritikpunkte, wie sie Lehrer und Schul-Eltern jetzt anbrächten. Sanchez wies darauf hin, dass die Eignung der Räumlichkeiten von Mitarbeitern der Schulverwaltung überprüft worden sei: „Die sind auf uns zugekommen und haben sich alles angeschaut.“ Er selbst habe „nur helfen“ wollen und sich bereit erklärt, gemeinsam mit seiner Partnerin den Kindern Essen zu servieren, das von einem Caterer angeliefert würde.

Der Wirt sagte, er hätte sich auch bereits Gedanken gemacht, wie man das Lokal kindgerechter umgestalten könne. „Mit dem Aufsteller hatte ich schon gesprochen, dass der Zigarettenautomat entweder ganz aus dem Gastraum raus kommt oder mit einer Hülle abgedeckt wird.“ Auch Alkoholflaschen hätten laut Sanchez schnell und einfach hinter einer Blende verschwinden können.

„Mit wenig Aufwand hätte man da für die Kinder schnell was erreichen können“, meint der Wirt. Dass die Idee auf so wenig Gegenliebe stoße, finde er „schade“.

Die komplette Vorgeschichte zum Streit um das Schulessen im Kasseler Vereinsheim haben wir ein einem separaten Artikel zusammengefasst.

An anderen Schulen funktioniert Gaststätten-Lösung

Schulkinder, die ihr Mittagessen in einer Gaststätte serviert bekommen – dieses Modell klappt beispielsweise an der Walther-Hensel-Schule im schwäbischen Göppingen seit vier Jahren reibungslos. Ohne eine Ganztagsschule zu sein, hat die Schule dies an zwei Tagen pro Woche für Fünft- bis Zehntklässler organisiert, die zuvor Essenskarten gekauft haben.

Den etwa vierminütigen Fußweg legen die Kinder gemeinsam zurück, die Jüngsten werden begleitet, berichtet Schulleiterin Christl Jost. Das Menü in der Hausmannskost-Gaststätte „Wilder Schwob“ werde zuvor abgesprochen, der Wirt koche selbst. „Wir kennen die Wirtsleute und haben noch nie Probleme gehabt“, sagt Jost.

Wichtig sei, dass die Beteiligten einander vertrauen „und alle gemeinsam Verantwortung übernehmen“. Eine ablehnende Debatte wie in Kirchditmold findet die Schulleiterin „etwas übermotiviert“: Eltern würden mit ihren Kindern schließlich auch in Lokale gehen und darauf achten, ob das Umfeld auch geeignet für den Nachwuchs ist.

Hier ist die Grundschule Kirchditmold in Kassel

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