Infozettel wurde 20 Stunden vorher angebracht

Von Stromabschaltung in Kassel überrascht: Wohnungen blieben vier Stunden dunkel

Ohne Strom geht nichts mehr: Am Fohlenäckerweg in Kirchditmold haben sich Kunden der Städtischen Werke über die viel zu kurzfristige Information über eine geplante, vierstündige Stromabschaltung beschwert. Die Stadtwerke sehen aber keine andere Möglichkeit, als die Kunden erst am Vortag der Abschaltung zu informieren. Foto: dpa

Kirchditmold. Einen Vormittag lang saß Helmut Glöckner in dunkler Wohnung. Die Stadtwerke hatten für Reparaturarbeiten den Strom für 21 Häuser am Fohlenäckerweg abgestellt.

Glöckner hatte den Infozettel nicht gesehen, der erst 20 Stunden vor der Abschaltaktion an die Haustür geklebt worden war. Die automatischen Rolläden blieben unten, Licht gab es nicht.

„Ich gehe nicht jeden Tag aus dem Haus“, sagt der 76-Jährige. Auch viele seiner Nachbarn hätten 20 Stunden vor der Abschaltung das Haus nicht mehr verlassen. Und seien ebenfalls überrascht worden. Bis mittags ging gar nichts: Kein Frühstück, wegen der elektrischen Garagentore gab es auch kein Auto.

Warum die Kunden der Städtischen Werke nicht früher über solch lange geplanten Bauarbeiten und eine vierstündige Stromabschaltung informiert würden, wollte Glöckner am nächsten Tag mit einem Anruf bei der Störungsannahme wissen. Doch der Mitarbeiter am anderen Ende der Leitung „hat unverschämt reagiert und einfach aufgelegt“, berichtet der Rentner: „Das hat mich sehr geärgert.“

Kurzfristige Information

In der Tat würden Kunden kurzfristig über eine Stromabschaltung informiert, erklärt Stadtwerke-Sprecher Ingo Pijanka. Das geschehe meist gegen 13 Uhr am Vortag. „Aus Kundensicht ist das nicht optimal“, räumt Pijanka ein, „aber es geht nicht anders.“

Ingo Pijanka

Ein Grund: Langfristig geplante Arbeiten zur Instandhaltung der Stromversorgung würden oft durch aktuelle Störungen durchkreuzt. Die Monteure müssten dann erst die Notfälle abarbeiten. Lange vorher angekündigte Arbeiten müssten dann wieder kurzfristig abgesagt werden, was ebenfalls nicht kundenfreundlich sei.

Ein weiterer Grund: Die Ankündigung von Stromabschaltungen etwa per Brief oder Anruf bei den betroffenen Kunden sei für die Städtischen Werke schlicht zu teuer. Der Strommarkt sei stark reguliert, höhere Preise für die Kilowattstunde müssten genehmigt werden. Teure Ankündigungen würde die Bundesnetzagentur als Luxus bewerten und einen Aufschlag auf den Strompreis ablehnen, erklärt Pijanka.

Informationen über soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter, die keine Kosten verursachten, würden viele, vor allem ältere Kunden nicht erreichen. Und seien deshalb auch keine Lösung.

Kritik zurückgewiesen

Pijanka weist auch den Vorwurf Glöckners an den Mitarbeiter am Störungstelefon zurück. Der Kollege habe dem Anrufer mehrfach erklärt, warum keine frühere Information zur Stromabschaltung möglich sei. Und habe dann wegen dringender Störungsmeldungen schließlich auflegen müssen.

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