Großes Gartengründstück sorgt für viel Ärger und Frust

Wertloses Bauland in Kirchditmold teuer gekauft?

Laut Bebauungsplan Bauland, faktisch aber schwer zu bebauen: Am Herlebergweg gibt es noch mehrere Gartengrundstücke, für die sich schon seit einigen Jahren Investoren interessieren.
+
Laut Bebauungsplan Bauland, faktisch aber schwer zu bebauen: Am Herlebergweg gibt es noch mehrere Gartengrundstücke, für die sich schon seit einigen Jahren Investoren interessieren.

In Kirchditmold gibt es Ärger um Gartenparzellen, die für fast eine halbe Million Euro den Eigentümer gewechselt haben. Denn auf dem Bauland darf wohl demnächst erstmal kein Bagger rollen.

Kassel – Sie hatten große Pläne und stehen nun vor großen Problemen: Nazif Karagöz und Erdal Ahmetoglu haben im September 2020 für 450 000 Euro mehrere Gartenparzellen am Herlebergweg in Kirchditmold gekauft. Laut Bebauungsplan ist es dort erlaubt, Häuser zu errichten. Tatsächlich gibt es aber kaum zu erfüllende Auflagen, und nun droht auf Antrag des Ortsbeirates auch noch eine zweijährige Veränderungssperre, die neuen Plänen für das Areal erstmal einen Riegel vorschiebt.

Dabei hatten die Käufer schon viele Ideen für die 2800 Quadratmeter großen Gartengrundstücke. Eine Natur-Kita, ein Wohnprojekt für behinderte Menschen oder Wohnraum für den leergefegten Wohnungsmarkt. Sogar mit möglichen Investoren und Kita-Betreibern war man schon vor Ort.

Doch erstmal wird wohl keines der Vorhaben realisiert werden können. Denn in seiner jüngsten Sitzung hat der Ortsbeirat besagte Veränderungssperre beantragt, weil er den naturnahen Charakter des Gebietes erhalten möchte und eine eingeschränkte Bebaubarkeit fordert. Wenn die Stadtverordneten dem Antrag am 13. Juli zustimmen, darf bis Sommer 2023 kein Bagger rollen.

Es gäbe nur eine theoretische Möglichkeit, doch früher anzufangen. So hatte bereits 2019 ein anderer Kaufinteressent für das Areal eine Bauvoranfrage für acht Reihenhäuser gestellt, die positiv entschieden wurde. Zwar nahm der Interessent wieder Abstand von den Plänen, aber der Bescheid der Stadt hat Gültigkeit. Insofern dürfte genau dieses Vorhaben – trotz Veränderungssperre – umgesetzt werden, wenn es vor Ablauf der Frist Ende 2021 startet. Wenn da nicht eine zweite Hürde wäre, die kaum zu überwinden ist.

So ist die Stadt inzwischen der Auffassung, dass die Grundstücke nicht über den Herlebergweg erschlossen werden können. Dieser sei in dem Abschnitt mit vier Metern zu schmal, da für Kanäle und Leitungen eine Grabenbreite von 4,35 Metern benötigt werde, so ein Stadtsprecher. Hinzu kämen Wurzelschutzstreifen. Zudem gebe es keine Wendemöglichkeit für Rettungs- und Müllfahrzeuge. Deshalb sei eine Erschließung – die Voraussetzung für eine Bebauung ist – nur über den Eckenstückerweg möglich. Dafür bräuchten die Bauherren aber das Einverständnis der Anlieger. Aber wer will schon eine Straße und Leitungen durch sein Grundstück bauen lassen?

Die Käufer sind verzweifelt. Sie verstehen die Haltung der Stadt nicht. Der Weg sei über weite Strecken bereits erschlossen, auch Neubauvorhaben sind dort in den vergangenen Jahren entstanden. Zudem gebe es etliche Garagenzufahrten. „Aber für uns sollen nun wohl andere Regeln gelten“, sagt Karagöz.

Er fühlt sich von den vier Verkäufern der Gartengrundstücke getäuscht. Man habe nicht ausreichend über die Situation informiert. Deshalb fordert er die Rückabwicklung des Kaufs. Die Verkäufer lehnen dies ab. Zumal die Grundstücke grundsätzlich bebaubar seien – sobald es eine Erschließung gebe.

Im Fokus steht besonders Martin Weber. Das CDU-Ortbeiratsmitglied hatte den größten Teil des Grundstücks verkauft. Der Ortsbeirat hatte bereits im Januar 2019 beschlossen, am Herlebergweg nur noch eine „verträgliche“ Bebauung zulassen zu wollen. Der naturnahe Charakter des Weges solle erhalten bleiben. „Es war die logische Konsequenz, dass es zu einer Veränderungssperre kommt“, sagt Ortsvorsteherin Elisabeth König (Grüne). Ihr Gremium fordert ein städtebauliches Konzept für den Bereich.

Weber weist den Vorwurf zurück, er habe absichtlich Einschränkungen verschwiegen. Eine Verkäuferin verweist auf ein Schreiben der Stadt aus Mai 2019. Damals hatte diese angekündigt, den Herlebergweg in den nächsten zwei bis drei Jahren erschließen zu wollen. Mittlerweile bieten die Käufer das Grundstück wieder zum Kauf an. Kostenpunkt: 450 000 Euro. Parallel haben sie eine Bauvoranfrage für drei Mehrfamilienhäuser gestellt. Ob die je entstehen, ist unklar. (Bastian Ludwig)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.