1945 fiel der Kasseler Ordensbruder dem „Massaker von Manila“ zum Opfer

Kirche erinnert an Arkadius

Wilhelm Spieker nannte sich als Ordensbruder Arkadius. Foto: Heidrich

Rothenditmold. Sein Leben begann in Kassel-Rothenditmold. Es endete auf grausame Weise auf den Philippinen in der heutigen Millionenstadt Manila. Gemeinsam mit 15 weiteren Ordensbrüdern der christlichen Schulen (FSC) fiel Wilhelm Spieker im Alter von 35 Jahren am 12. Februar 1945 einer Blutorgie japanischer Soldaten zum Opfer. Über 60 Jahre nach diesem Massaker wird die katholische Gemeinde St. Joseph Leben und Wirken des Ordensmannes mit vielfältigen Aktionen wachrufen.

Geboren wurde Spieker, der später den Ordensnamen Arkadius annahm, am 10. November 1910 als zweites Kind des Lokomotiv-Hilfsheizers und späteren Lokführers Heinrich Spieker und dessen Ehefrau Franziska, die beide aus dem Kreis Höxter stammten. Den Bahnbediensteten hatte es beruflich nach Rothenditmold verschlagen. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges zog die Familie ins westfälische Warburg, wo Wilhelm aufwuchs.

Eigentlich sollte er Schmied werden. Doch kurz vor seiner Lehre lernte er die Christlichen Schulbrüder kennen und entschloss sich, dieser Gemeinschaft beizutreten. Er begann eine ordensinterne Ausbildung, Sprachstudien in Belgien und England schlossen sich an.

Lehrer auf den Philippinen

Schließlich wurde Bruder Arkadius nach Singapur entsandt und wirkte dort als Lehrer. Um der Internierung durch die Engländer zu entgehen, wechselte er zu Beginn des Weltkriegs 1939 nach Manila auf den Philippinen als Lehrer an das dortige De-La-Salle-Kolleg der Schulbrüder.

Doch die Schrecken des Krieges holten ihn ein. Das Kolleg mit seinen Bewohnern - neben den Schulbrüdern auch 70 Sicherheit suchende Flüchtlinge - geriet zwischen die Fronten, denn die amerikanischen Truppen rückten unaufhaltsam vor.

Das japanische Militär schnitt das Kolleg von der Außenwelt und damit von jeglicher Versorgung ab. Dann griffen sich die Soldaten Einzelne aus der Hausgemeinschaft heraus, folterten sie und ließen sie halbtot liegen.

Am 12. Februar 1945 kam es zur Blutorgie: Unter Anleitung eines Offiziers schossen die betrunkenen Soldaten wahllos auf die Wehrlosen, massakrierten die Menschen mit Bajonetten und Krummschwertern. Unter den Niedergemetzelten war auch Bruder Arkadius, dem man den Schädel zertrümmert hatte.

100 000 Opfer

Bei dem berüchtigten „Massaker von Manila“ ermordeten japanische Soldaten auf Weisung ihrer Befehlshaber 100 000 Menschen in der philippinischen Hauptstadt.

Nach dem Einmarsch der Amerikaner bestattete man die Toten von La Salle zunächst im Massengrab. Vier Jahre später wurden sie exhumiert und in Einzelgräbern beigesetzt. INFORMATION

Von Erhard Heidrich

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.