Homo-Ehen werden in Kirchenregister eingetragen

Kirche: Segnung ist keine Trauung

Roland Kupski

Kassel. Als erste evangelische Trauung eines schwulen Paares gilt eine Zeremonie, die am Wochenende im südhessischen Seligenstadt vollzogen wurde – weil der Vorgang erstmals in einer kirchlichen Urkunde steht.

Bei der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) ist man verwundert über die bundesweit hohe Aufmerksamkeit, die diesem Vorgang zuteilwurde. Dass ein gleichgeschlechtliches Paar nicht nur gesegnet, sondern auch in ein Kirchenregister eingetragen werde, sei bei der EKKW ohnehin üblich, sagte Landeskirchensprecher Roland Kupski.

Bereits Ende 2011 hatte die EKKW-Synode mit breiter Mehrheit die Voraussetzung geschaffen, dass homosexuelle Paare, die in eingetragener Partnerschaft leben, öffentlich gesegnet werden können. Pro Jahr nähmen etwa drei oder vier Paare diese Möglichkeit wahr, schätzt Kupski. Von Anfang an sei klar gewesen, dass solche Segnungen auch in Registern der Landeskirche festgehalten würden.

Bei der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, zu der Seligenstadt gehört, sei man offenbar jetzt erst dazu übergegangen, die Segnung schwuler Paare auch in kirchliche Dokumente einzutragen – nur so kann sich Kupski die große Medienresonanz erklären. „Dabei machen die es auch nicht anders als wir.“

Dennoch sei es der Kirche von Kurhessen-Waldeck wichtig, „am Unterschied der Trauung von standesamtlich verheirateten Paaren und der Segnung anderer eingetragener Lebensgemeinschaften festzuhalten“, sagte der Kirchensprecher: „Damit folgen wir dem Gesetzgeber, der ebenfalls diesen Unterschied macht.“

Schließlich seien die Paare bereits standesamtlich getraut beziehungsweise eingetragen, bevor sie sich den kirchlichen Segen geben ließen. „Radikal ändern“ könne sich die Position der Landeskirche dann, wenn der Gesetzgeber eine vollständige rechtliche Gleichstellung homosexueller Paare mit klassischen Eheschließungen beschließen würde.

Nach heutiger Lage aber „wollen wir den Unterschied zwischen einer Trauung und einer Segnung auch sichtbar machen“, sagte Kupski. Bei der Liturgischen Kammer der Landeskirche werde zurzeit eine Handreichung entwickelt, um Pfarrern, die solche Zeremonien vornehmen, eine Handlungsempfehlung zu geben. Noch im Lauf des Herbstes solle diese Leitlinie vorliegen.

Von Axel Schwarz

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