Ökumenischer Gottesdienst zur Katastrophe in Japan: „Mensch nicht Maß der Dinge“

Kirchen gegen Atomkraft

Bitten um Gottes Hilfe für Japan: Dechant Harald Fischer (katholische Kirche, links), Dekanin Barbara Heinrich (evangelische Kirche) und Pastor Frank Fornaçon (Ev.-Freikirchliche Gemeinde) gestalteten den ökumenischen Gottesdienst in der Karlskirche. Foto: Malmus

Kassel. Mit einem bewegenden ökumenischen Gottesdienst in der Karlskirche haben am Samstag 200 Gläubige der Menschen in Japan gedacht und um Gottes Hilfe angesichts der Katastrophe gebeten.

In der empfundenen eigenen Hilflosigkeit höre man dieser Tage oft den Satz: „Da hilft nur noch beten“, sagte Dechant Harald Fischer (katholische Kirche), der den Gottesdienst gemeinsam mit Dekanin Barbara Heinrich (evangelische Kirche) und Pastor Frank Fornaçon (evangelische Freikirche) gestaltete. Das ersetze aber nicht das Handeln. Auf der politischen Tagesordnung stehe jetzt, die Konsequenzen aus der Katastrophe in Japan zu ziehen, die durch die nukleare Bedrohung noch mal eine andere Dimension habe als ebenso entsetzliche Unglücke der vergangenen Jahre.

Atomkraft sei nicht zu beherrschen, und ein Restrisiko des jetzt erlebten Ausmaßes nicht hinzunehmen. Dechant Harald Fischer fand in der Predigt klare Worte: „Atomkraftwerke müssen ausgeschaltet werden.“ Das zu sagen, auch in einem Gottesdienst, „sind wir den Opfern in Japan schuldig.“

Zeit zur Umkehr

Durch die Ereignisse in Japan „sind wir vielleicht an einen Punkt gekommen, an dem die bedingungslose Fortschrittsgläubigkeit beerdigt worden ist“, sagte Fischer. „Wir machen die Erfahrung, dass wir Menschen nicht das Maß aller Dinge sind.“ Er rief dazu auf, umzukehren, „nicht nur in der Atompolitik, sondern auch in unserer eigenen Lebenshaltung“.

Auch an die Terroranschläge des 11. September, den Tsunami in Südostasien, das Erdbeben Haiti und die Flut Pakistan im vergangenen Jahr sowie die Gewalt in Libyen in diesen Tagen erinnerte Dechant Fischer. „Wir haben das Jahrzehnt der unglaublichen Katastrophen.“ Oft werde die verständliche Frage gestellt: Wo ist Gott in all diesen Notlagen? Im Christentum zeige das Kreuz Jesu die „radikale Solidarität gerade mit dem leidenden Menschen“, sagte Fischer. „Gott ist da, inmitten des Infernos.“

Bewegend war auch der von Dekanin Barbara Heinrich vorgetragene Brief einer evangelischen Pfarrerin der Auslandsgemeinde in Tokio. „Das Entsetzen ist so groß und so nah, dass ich es nicht fühlen kann, es passt eine Seele nicht hinein“, teilte die Deutsche per E-Mail aus Tokio mit. Dass die Menschen in Kassel das Leid teilen möchten, wurde daran deutlich, dass nach den gemeinsamen Fürbitten viele Gläubige für die Menschen in Japan eine Kerze entzündeten.

Von Katja Rudolph

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