Katholische Priester müssen oft mehrere Gemeinden betreuen

In Kassel gehen den Kirchen die Pfarrer aus

Kassel. Die beiden großen Kirchen haben Nachwuchssorgen. In der katholischen Kirche gibt es bereits zu wenige Priester. Deshalb ist auch in Kassel schon jetzt ein Geistlicher häufig für mehrere Pfarreien zuständig.

In der evangelischen Kirche zeichnet sich ab, dass es künftig schwieriger wird, Pfarrstellen zu besetzen, weil die Zahl der Theologiestudenten zu niedrig ist, um die durch Pensionierungen entstehenden Lücken zu füllen.

In der Stadt Kassel gibt es 14 katholische Pfarreien, sechs davon haben noch einen eigenen Priester in der Gemeinde. In den anderen Fällen erfüllt ein Pfarrer jeweils zwei Zuständigkeiten, berichtet Dechant Harald Fischer von der Katholischen Kirche Kassel. Im Landkreis sei die Situation noch dramatischer.

Um dem Mangel zu begegnen, holt die katholische Kirche sich Verstärkung aus dem Ausland. Fast jeder zehnte Pfarrer im Bistum Fulda stammt nicht aus Deutschland. Von 23 Priestern im Dekanat Kassel-Hofgeismar sind drei aus Afrika und Polen.

In zehn bis 15 Jahren werde es 40 Prozent weniger Priester im Bistum geben, sagt Dechant Fischer. „Wir sind auf dem Weg zu einer Kirche, in der hauptamtliche Priester eine Seltenheit werden.“ Das bedeute, dass die Gemeinden gestärkt werden müssten, um in Verwaltung und Organisation mehr Verantwortung zu übernehmen. Die Hauptursache für die fehlenden Priesterberufungen sieht Fischer in der sinkenden Religiosität in der Gesellschaft. Durch das Pflichtzölibat und die Nicht-Zulassung von Frauen zum Priesteramt werde die Situation in der katholischen Kirche verschärft.

Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck hat derzeit noch keine Personalengpässe. Sie rechnet aber ab 2020 mit einer Zunahme der Vakanzen. Zusammenlegung und Auflösung von Stellen wiegen die erwartete Pensionierungswelle nicht auf. Deshalb startet im Frühjahr eine Werbekampagne für das Theologiestudium.

Von Katja Rudolph

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