Kirchen haben immer weniger Mitglieder

Kassel. Der Mitgliederschwund bei den großen christlichen Kirchen hält an: Zählte der evangelische Stadtkirchenkreis Kassel im Jahr 2000 noch 89.939 Mitglieder, so waren es 2010 (Stand: November) nur noch 81.917 Mitglieder.

Unterm Strich ist das ein Verlust von 8022 Mitgliedern in zehn Jahren. Der Kichenkreis Kaufungen, der sich vor einem Jahr mit dem Kirchenkreis Kassel-Land zusammenschloss, zählt aktuell 71.830 Mitglieder. 2001 hatten beide Kirchenkreise zusammen 78.200 Mitglieder.

Im katholischen Dekanat Kassel-Hofgeismar sind die Zahlen ebenfalls rückläufig. Von 69.327 Mitgliedern im Jahr 2000 sank die Zahl auf 63.328 im vergangenen Jahr. Hier sind es 5999 Gläubige weniger als vor zehn Jahren. Beide Kirchen haben in diesem Zeitraum fast neun Prozent Mitglieder verloren.

Als Hauptgrund für den Mitgliederschwund führen sowohl Heike Schaaf, Öffentlichkeitsreferentin des evangelischen Stadtkirchenkreises, wie auch Harald Fischer, Dechant der katholischen Kirche in Kassel, den demografischen Wandel an. Die Pfarrer halten heute mehr Beerdigungs- als Taufgottesdienste.

Doch auch die Zahl der Kirchenaustritte hat zugenommen. 1652 ehemalige Kirchenmitglieder beider Konfessionen haben im vergangenen Jahr beim Amtsgericht Kassel ihr Austrittsformular eingereicht, 2009 waren es 1537. „Meist sind das individuelle Entscheidungen. Die Menschen haben eine Enttäuschung erlebt, in der sie in der Kirche auch keinen Halt gefunden haben, und teilen uns das auch so mit“, sagt Schaaf.

Nach der großen Austrittswelle in der katholischen Kirche vor einem Jahr aufgrund der bekannt gewordenen Missbrauchsskandale ist die Zahl der Austritte laut Dechant Fischer seit Herbst wieder gesunken. Zurzeit würden etwa 20 Mitglieder im Dekanat pro Monat austreten. „Dennoch“, so Fischer, „steht die Kirche heute in Konkurrenz zu vielen anderen Angeboten und muss sich dieser Wahl stellen.“ (wd)

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Rubriklistenbild: © dpa

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