Firmensitz und Nachbargebäude in Kassel werden saniert

Marktführer in Deutschland: Fusionierte Kirchenbank auf Wachstumskurs

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„Partner von Kirche und Diakonie“: Mit diesem Slogan wirbt die EKK um Kunden. Die neue, fusionierte Bank wird mutmaßlich einen anderen Leitspruch bekommen.

Kassel. Von der breiten Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, entsteht in diesen Wochen ein neuer Marktführer in Deutschland – zumindest im Raum der Kirchenbanken.

Denn im Zuge der vor dem Abschluss stehenden Fusion der Evangelischen Kreditgenossenschaft Kassel (EKK) und der Evangelischen Darlehnsgenossenschaft Kiel (EDG) zur Evangelischen Bank (EB) entsteht mit einer Bilanzsumme von 7,6 Milliarden Euro, 91.000 Kunden und gut 500 Mitarbeitern die größte der bundesweit dann sieben konfessionellen Kreditinstitute. Unternehmenssitz ist Kassel, der Standort Kiel und die 13 Filialen bleiben erhalten.

Thomas Katzenmeyer

Die EB und deren Vorgängerinstitute, die weitgehendden Landeskirchen, Kirchenkreisen und -gemeinden sowie der Diakonie und deren Einrichtungen gehören, verstehen sich längst nicht mehr nur als rein konfessionelle Kirchenbanken, sondern vielmehr als Finanzdienstleister im Bereich der Gesundheits- und Sozialwirtschaft. Dass die Bank in der öffentlichen Wahrnehmung kaum präsent ist, erklärt EKK-Vorstandssprecher und künftiger Chef der EB, Thomas Katzenmayer, mit dem Haupttätigkeitsfeld seines Hauses. „Wir sind der Spezialist in der großen Nische“, sagt der 49-jährige Manager.

Im Geschäft mit Finanzierungen von Alten- und Pflegeheimen, Krankenäusern, Kindertagesstätten und anderen sozialen Einrichtungen auch nicht konfessioneller Organisationen sieht Katzenmayer einen Riesenmarkt. „Den wollen wir mit unserer fusionierten Bank und unseren Spezialisten künftig noch besser bearbeiten“, sagt er.

Die Voraussetzung für stärkeres Wachstum sind geschaffen. Mit einem größeren Kreditspielraum, dickeren Eigenkapitalpolster und effizienterren Strukturen will sich die neue Bank ein größeres Stück vom Kuchen abschneiden.

Hintergrund: Größte Bank mit Sitz in der Region

Die Evangelische Bank (EB) ist nicht nur die größte Kirchenbank Deutschlands, sondern der Bilanzsumme von 7,7 Milliarden Euro nach auch das größte Kreditinstitut mit Sitz in Nordhessen. Denn die bisherige Nummer eins in der Region, die Kasseler Sparkasse, hat eine Bilanzsumme knapp fünf Mrd. Euro. Dieser Wert beschreibt die Summe aller geschäftlichen Aktivitäten. Zum Vergleich: Deutschlands größter Finanzdienstleister, die Deutsche Bank, bringt es auf 1,6 Billionen Euro. (jop)

Einen Personalabbau wird es laut Katzenmayer deshalb aber nicht geben. Um das große Marktgebiet noch intensiver zu bearbeiten, werde das Personal gebraucht. Allein die Diakonie in Deutschland müsse jährlich vier Mrd. Euro für Ersatztinvestitionen aufbringen. Katzenmayer schließt angesichts des großen Marktpotenzials sogar einen Beschäftigungsaufbau nicht aus.

Die neue Bank und deren Vorgängerinstitute haben kein klassisches Firmenkundengeschäft wie andere Banken und Sparkassen. Investitionen in rein gewerbliche Projekte sind tabu. Dagegen ist die „Bank mit christlichen Werten“, die dem genossenschaftlichen Bankenverbund angehört, für nahezu alle Privatkunden offen.

Unabhängig von der Fusion will die EB kräftig am Standort Kassel investieren. So sollen der Unternehmenssitz in der Seidlerstraße sowie das Nachbargebäude an der Ecke Fünfsternstraße/Ständeplatz, das wie das Haus Garde-du-Corps-Straße 7 der Bank gehört, ab 2016 umfassend energetisch saniert werden. In diesem und im nächsten Jahr gehe es aber vorrangig um die Zusammenführung der beiden Institute.

Von José Pinto

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