Wassersportzentrum schließt im Herbst – Künstler Balkenhol hat Grundstück gekauft

Kissler streicht die Segel

Abschied von der Fulda: Margot Kissler schließt ihr Wassersportzentrum. Privat, sagt sie, liebe sie das Segeln. Auf und an der Fulda hatte sie mehr mit Motor- und Tretbooten, Paddlern und Ruderern zu tun. Foto: Koch

Kassel. Eine Kasseler Institution schließt ihre Pforten: Das Wassersportzentrum Kissler an der Fulda macht zu. Ende Oktober zieht sich Margot Kissler in ein Leben als Pensionärin zurück.

Das Grundstück in bester Lage an der Fulda hat der Kasseler Künstler Stephan Balkenhol gekauft. Was er damit machen werde, sei noch in Planung, sagt er zur HNA. Ein wenig wird es von allem sein: Wohnen, arbeiten und auch die Öffentlichkeit soll von der Lage an exponierter Stelle etwas haben.

Möglicherweise wird es eine Bühne geben, auf jeden Fall wird der Bootsverleih - wenn auch in abgespeckter Form - erhalten bleiben. Die 20 Leihboote - inklusive der Plastikschwäne „Gustchen“ und „Henner“ - hat er mit übernommen. Balkenhol: „Ich weiß schon, was das alles auch für den Stadtteil bedeutet.“

Margot Kissler zieht sich mit einem lachenden und einem weinenden Auge aus dem Geschäft zurück. Fünf Jahre hat sie nach einem Käufer gesucht, ehe es mit Balkenhol geklappt hat.

Die goldenen Zeiten für das Wassersportzentrum Kissler sind lange vorbei. Das Internet machte das Geschäft immer schwerer. Früher, erzählt Margot Kissler, seien Paddler, Ruderer, Segler und Motorbootfahrer sogar aus Fulda und vom Edersee gekommen, um bei ihr einzukaufen. Heute machten sie das übers Internet.

Margot Kissler war schon als Kind fester Teil des Bootshauses. 1950 wurde es von ihrem Vater Theo gegründet, als Lagerraum für kleine Boote. Für den Vater stand schon damals fest, dass seine Tochter den Laden übernehmen würde. „Meine Mutter wollte eigentlich, dass ich Lehrerin werde“, sagt Margot Kissler - der Vater setzte sich schließlich durch. Margot Kissler lernte Einzelhandelskauffrau, im Winter arbeitete sie bei Neckermann in der Skiabteilung.

Einst wurden im Bootshaus Kissler 350 Boote gelagert. „Damit war man die zweitgrößte Bootslagerung in Deutschland“, sagt Margot Kissler. Und man besaß auch Kassels ersten Campingplatz. Legendär auch die Zeiten, als der Club 21 im Bootshaus Kassel Zissel feierte. Aber das war vorbei, als der Zissel von Messeplatz und Schwanenwiese auf die andere Fuldaseite abwanderte. Margot Kissler: „Da lagen wir dann falsch.“

Neben   Bootslagerung  und -verkauf kamen im Laufe der Jahre die Leihboote hinzu, und es entstand nach und nach ein buntes Warenangebot rund um den Wassersport. In den flachen Häusern, die nach dem Krieg aus den Backsteinen abgebrannter Häuser gebaut wurden, lagern Paddel und Planen, Schrauben und Schäkel, Farben, Fender und Fachliteratur, Bootsbekleidung, Geschenkartikel, Modellschiffe und große Schiffsschrauben. Es gibt eigentlich nichts, was es nicht gibt für Wassersportler bei Kissler.

All das muss nun bis Ende Oktober raus. Es gibt einen Räumungsverkauf mit Nachlässen bis zu 50 Prozent. Denn Margot Kissler wird sich vollends vom Wassersport zurückziehen. Das eigene Boot, mit dem sie und ihr Mann früher Urlaub in Jugoslawien machten, hat sie längst nicht mehr. „Ich hatte ja auch nie richtig Zeit im Sommer.“

Von Frank Thonicke

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