"Eine Kultur des Hinhörens und Nichtstuns"

Kita-Ärger in Kassel: Eltern kritisieren Betreiber

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Seit fast einem Jahr kaputt: Elternbeiratsvorsitzende Ulrike Gröll mit (von links) Lasse Leng, Erik und E mil Gröll sowie Hannes Leng vor der Eingangstür der Kindertagesstätte Wehlheiden.

Eine kaputte Eingangstür und ein Toberaum, der nicht benutzbar ist: Seit Monaten weisen Eltern den Betreiber einer Kasseler Kita auf Missstände hin. Nun ist die Geduld am Ende.

Wenn Christian Gröll auf die Webseite des Kindergartens schaut, in den seine beiden Söhne gehen, schüttelt der Kasseler Vater den Kopf. Dort stellt sich der Betreiber der Einrichtung, der Arbeitskreis Gemeindenaher Gesundheitsvorsorge (AKGG), mit einem chinesischen Sprichwort vor: „Ein Weg entsteht, wenn man ihn geht.“

Eltern und Kinder müssen jedoch seit fast einem Jahr einen Umweg gehen, um die Kindertagesstätte Wehlheiden zu erreichen. Weil die Haupteingangstür defekt ist, kommt man nur durch den Garten und Hintereingang in das Gebäude. Wenn Eltern ihre Kinder abholen, müssen sie nun direkt an der U3-Gruppe vorbei. „Die Mittagsruhe der Kleinsten ist nicht mehr gewährleistet. Bei schlechtem Wetter gibt es eine Schlammschlacht“, kritisiert Gröll, der drei Jahre Elternbeiratsvorsitzender war und das Amt nun an seine Frau Ulrike übergeben hat.

Toberaum in Kita ist seit mehreren Jahren unbenutzbar

Die Sache mit der kaputten Eingangstür ist nicht der einzige Kritikpunkt der Eltern an der AKGG. Bereits seit mehreren Jahren ist der Toberaum im Obergeschoss unbenutzbar – angeblich weil die Flucht- eine Wendeltreppe ist und so nicht den Brandschutzbestimmungen entspricht. Sie muss eckig sein.

Beide Punkte wurden vom Elternbeirat mehrmals angesprochen. Der Orthopäde Gröll sagt: „Erst gab es eine Kultur des Hinhörens und Nichtstuns. Jetzt sind wir beim schweigenden Nichtstun. Das alles passt nicht zum Selbstbild der AKGG auf der Homepage.“ Auch die Erzieher, die mehr als 90 Kinder betreuen und einen tollen Job machten, fühlten sich von der AKGG-Leitung im Stich gelassen.

Kita-Betreiber räumt Fehler ein

Gegenüber der HNA wollten sich die Kindergarten-Mitarbeiter nicht äußern. Dafür räumt AKGG-Geschäftsführer Søren Link Fehler ein. Das Problem mit der Tür sei „eine Verkettung von Blödsinnigkeiten und nicht wirklich ein Glanzstück unserer Seite“. Weil die Tür einen Notausgangsschalter braucht, sei es nicht einfach gewesen, Handwerker zu finden. Dann sei eine Firma pleitegegangen. Nun verspricht er: „Die neue Tür wird in den nächsten Tagen eingebaut.“

Søren LinkGeschäftsführer des Betreibers AKGG

Für die Verzögerung beim Toberaum könne die AKGG nichts. Das Problem dort sei, dass für die Kinder die Stufen der Treppe im Haus zu hoch seien. Erst jetzt habe das Bauamt eine Bestandsschutzerklärung abgegeben. Die Treppe innen darf doch benutzt werden. Bald soll es außen eine neue Fluchttreppe geben.

Gröll sieht trotzdem „grundlegende strukturelle Probleme bei der AKGG“, die auch die Kitas Nils Holgersson (Süsterfeld-Helleböhn), Nordstern und Kleiner Bär (Nordstadt) betreibt. „Das stimmt so nicht“, wehrt sich Link. Die Grölls hoffen nun auf Besserung, denn: „Unsere Kinder gehen total gern hierhin.“ 

In Kassel sollen mehrere hundert Kita-Kinder auch in Containern untergebracht werden. Der Grund dafür: Platzmangel. 

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