Mathe-Didaktiker setzt sich für bessere Nutzung von Lernstandserhebungen ein

Moderner Matheunterricht: Den Satz des Pythagoras, den auf unserem Bild eine Schülerin auf eine Glasscheibe schreibt, müssen Schüler nicht nur anwenden können, sondern auch darstellen, beweisen und modellieren. Foto: dpa

Kassel. Bayern, Bremen, Hessen: Der Wohnort eines Schülers hat Einfluss auf seine Leistungen. Dabei gelten seit fast zehn Jahren bundesweite Bildungsstandards, die von den Ländern aber unterschiedlich umgesetzt werden.

Prof. Dr. Werner Blum vom Fachbereich Mathematik beschäftigt sich seit vielen Jahren damit, für Schüler ähnlich gute Lernbedingungen zu schaffen. Nun arbeitet er an einem vom Kultusministerium geförderten Projekt, das den Nutzen der bundesweiten Lernstandserhebungen in Hessen im Fach Mathematik verbessern soll.

Bundesweit einheitliche Tests

Die Erhebungen werden jedes Jahr in der 3., 6. und 8. Klasse geschrieben. Es handelt sich um bundesweit einheitliche Tests in Deutsch, Mathematik und der ersten Fremdsprache, die Blum für die Mathematik in der 8. Jahrgangsstufe jährlich mitkonzipiert.

Mit den Tests, die nicht benotet werden, sollen die Lehrer einen unverzerrten Eindruck vom Leistungsstand der Schüler bekommen. „Normale Klassenarbeiten geben ein beschönigtes Bild wieder, denn sie prüfen immer nur das ab, was in den vergangenen Wochen gelernt wurde“, sagt Blum. Sie würden aber keinen Hinweis darauf geben, ob in der Klasse die Bildungsstandards erfüllt werden.

Hessens Schulen können wählen, in welchem der drei angebotenen Fächer sie an der Lernstandserhebung teilnehmen. 10 000 Achtklässler haben dieses Jahr den Test im Fach Mathematik geschrieben, der nächste steht am 28. Februar 2013 an.

Der Kasseler Mathematik-Didaktiker hat oft die Rückmeldung bekommen, dass Lehrer am Nutzen dieser Überprüfung zweifeln.

„Es gibt Unmut, da die Tests von den Lehrern korrigiert und die Ergebnisse zur Auswertung ans Institut für Qualitätsentwicklung übertragen werden müssen“, sagt Blum. Das Institut liefere den Lehrern nur eine rein statistische Auswertung der Leistungen.

Mit dem Projekt an der Uni Kassel (VELM-8), das vom Land mit 60 000 Euro gefördert wird, sollen Mathelehrer im Umgang mit der Lernstandserhebung geschult werden. Sie sollen lernen, wie sie die Ergebnisse über Stärken und Schwächen ihrer Klasse zur gezielten Förderung und Unterrichtsverbesserung nutzen können. Dazu nehmen zunächst sechs Schulen aus der Region mit 21 Lehrern an einem Fortbildungsprogramm teil. Hat das Projekt Erfolg, sollen derartige Lehrer-Schulungen ab dem nächsten Schuljahr hessenweit angeboten werden.

Von Bastian Ludwig

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