Nicht nur Altmetalldiebe tragen Schuld

Einkaufswagen-Klau: Supermärkte haben Problem

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Einkaufswagen mit Wegfahrsperre: Bastian Hartmann, Leiter des Edeka-Markts Wenzel an der Fiedlerstraße (Nordstadt), zeigt die magnetische Radsperre. Sie wird aktiviert, sobald Kunden mit dem Einkaufswagen das Gelände es Supermarkts verlassen. In der Vergangenheit waren immer wieder Einkaufswagen mitgenommen worden.

Kassel. Manche haben einen Suchdienst, andere eine Wegfahrsperre: Um etwas gegen den Schwund von Einkaufswagen zu unternehmen, haben sich die Supermärkte etwas einfallen lassen.

Viele kennen das Problem, dass immer wieder Einkaufswagen aus ihrem Fuhrpark verloren gehen.

Dahinter stecken häufig Kunden, die die Wagen zum Transport ihres Einkaufs bis vor die Haustür benutzen und dann nicht zurückbringen. Aber auch Altmetalldiebe haben die aus Stahl bestehenden Transporter als attraktive Beute entdeckt. Anfang Februar waren vom Gelände des Real-Marktes am Franzgraben im Stadtteil Wesertor 125 Wagen gestohlen worden.

Einkaufswagen bestehen in der Regel aus Stahldraht und Metallrohren und wiegen etwa 15 Kilogramm. Im Einkauf kosten sie je nach Ausführung 100 bis 250 Euro.

In dem Edeka-Markt an der Weserspitze dreht der Hausmeister regelmäßig seine Runden in der Nachbarschaft, um von Kunden mitgenommenen Einkaufswagen zurückzuholen, sagt Marktleiterin Katharina Reichert. „Meistens stehen die Wagen direkt vor den Haustüren“. Auch andere Supermärkte in Kassel behelfen sich auf diese Weise, wie Nachfragen der HNA ergaben.

Offenbar besteht das Problem vor allem in sozial schwachen Stadtteilen. Dort haben viele Menschen kein Auto, um größere Einkäufe nach Hause zu transportieren. Einige behelfen sich dann offenbar mit den Einkaufswagen, ohne zu bedenken, dass diese Eigentum des Markts sind. Laut einer Studie des Handelsforschungsinstituts EHI kann je nach Lage und Umfeld des Marktes die Schwund-Rate bis zu zehn Prozent betragen.

Auch die Stadtreiniger sammeln immer wieder achtlos auf Parkplätzen, in Grünanlagen oder der Innenstadt zurückgelassene Einkaufswagen ein. 25 bis 30 Stück wandern jeden Monat in den Altmetallcontainer der Stadtreiniger.

Häufiger Fund: 25 bis 30 Einkaufswagen sammeln Gianluca Orto und Petra Riehl vom „Putzmunter“-Team der Stadtreiniger im Monat ein.  

Im Edeka-Markt an der Fiedlerstraße in der Nordstadt sind laut Inhaber Marco Wenzel in der Vergangenheit rund 40 Wagen im Jahr abhanden gekommen. Bis 2006 waren es innerhalb von zehn Jahren 360 Stück. Um zu verhindern, dass die Wagen vom Gelände mitgenommen werden, hat er seitdem Einkaufswagen mit einem Magnet-Blockiersystem am Rad angeschafft. An den Grundstückausfahrten sind Magnetbänder in den Boden eingelassen. Sobald jemand mit einem der Wagen das Supermarkt-Gelände verlassen will, löst der Magnet die Sperre an den Rollen aus.

Dennoch seien in den vergangenen Jahren noch insgesamt 25 Wagen wegkommen, berichtet Wenzel. „Die müssen getragen worden sein. Das macht nur jemand, der den Wagen nicht bepackt hat.“ Er geht davon aus, dass Altmetalldiebe am Werk waren. Es seien auch schon Wagen bei Wertstoffhändlern aufgetaucht, sagt Wenzel „Die wurden angenommen, obwohl Edeka draufstand.“

Von Katja Rudolph

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