Für fünf Projekte im Wesertor geht das Geld aus – auch der Kinderbauernhof ist davon betroffen

Kleine Oasen sind in Gefahr

Bauernhof mitten in der Stadt: Kinder aus dem Projekt „Hafen 17“ des Diakonischen Werkes besuchten den Kinderbauernhof. Sie sind eine von vielen Gruppen, die das Angebot nutzen. Links versorgen Eren (9) und Annemarie (10) das Hängebauchschwein.

Wesertor. Eines der bedrohten Projekte wirkt wie eine Oase inmitten einer eintönigen Wohnsiedlung. Der Kinderbauernhof liegt zwischen den Betonschneisen Weserstraße und Hafenbrücke. Hier können Stadtkinder sich im Landleben ausprobieren. Die Begegnung mit einem Schwein ist für viele wie eine Reise in eine andere Welt.

Sollte die seit drei Jahren laufende Finanzierung aus dem Bund-Länderprogramm im Frühjahr 2012 ersatzlos auslaufen, müssen der Kinderbauernhof und vier weitere Projekte ihre Angebote stark reduzieren. „Die Kinder kommen aus sozialschwachen Familien. Viele kennen den Weg zum Königsplatz, aber nur wenige waren jemals im Habichtswald.“

Bislang legen die Verantwortlichen ihre Hoffnung in die Stadt. Vier der fünf betroffenen Projekte haben die Stadt in einem Gemeinschaftsantrag gebeten, zumindest die Grundfinanzierung zu übernehmen. Auch wenn es bereits positive Signale gab, ist es unwahrscheinlich, dass die Stadt die 115 000 Euro, die jährlich an alle Initiativen flossen, komplett aufbringen wird. Dafür ist die Haushaltslage zu angespannt. Wenn die Stadtverordneten bei den Haushaltsverhandlungen grünes Licht geben, wären die Projekte auf weitere Förderer angewiesen.

Ein Hauptamtlicher

Direkt betroffen von der Geldnot ist Ates Bükey. Der Agraringenieur ist der einzige hauptamtlich Angestellte im Kinderbauernhof, er wird über das Programm finanziert. Als Halbtürke hat er einen guten Draht zu den Kindern aus dem Stadtteil, von denen viele aus Migrantenfamilien kommen. „Einige kommen aus sozialschwachen Familien. Sie kennen den Weg zum Königsplatz, aber nur wenige waren je im Habichtswald.“

Vier Nachmittage die Woche öffnet der Bauernhof sein Tor für alle Kinder aus dem Stadtteil. Für sie ist der Eintritt kostenlos. Außerdem kommen Schulklassen und Kindergruppen nach Anmeldung. Auf der Anlage versorgen die Kinder Hängebauchschweine, Kaninchen und Schafe, sie legen Gemüsebeete an, machen Lagerfeuer, klettern und ernten in den Obstbäumen, bauen Holzhütten und helfen der Imkerin beim Versorgen der Bienen. „Das sind alles Sachen, die man in der Stadt eigentlich nicht machen kann“, sagt Bükey.

Öffentliches Geld wichtig

Die Leiterin des Projekts, Dr. Catarina von Schwerin, will das Projekt auf jeden Fall erhalten. Von Schwerin hat aber erfahren, wie wichtig eine Finanzierung durch die Stadt ist. Angefragte Stiftungen wollten nur zusätzliches Geld geben, wenn Projekte bereits grundsätzlich abgesichert seien. Eine öffentliche Finanzierung gelte als Garant für eine gute Arbeit.

Inzwischen hat sich auch der Ortsbeirat im Wesertor für den Kinderbauernhof und alle weiteren betroffenen Angebote stark gemacht. Er hat die Stadt aufgefordert, die Finanzierung bis 2013 sicherzustellen. „Es sollte nicht das kaputt gemacht werden, was mühsam aufgebaut wurde“, sagte Ortsvorsteher Gerhard Franz. Weitere Artikel

Von Bastian Ludwig

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