Kleine Schlecker-Märkte in Kassel vor dem Aus

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Hat ausgedient: Der Schlecker-Markt an der Kunoldstraße in Bad Wilhelmshöhe soll Ende des Monats geschlossen werden.

Kassel. Mit der Zerschlagung der Drogeriekette Schlecker ist das Aus für eine weitere Filiale in Kassel besiegelt. Der Laden an der Kunoldstraße in  Wilhelmshöhe wird nach Angaben der Filialleiterin Ende Juni geschlossen.

„Gibt’s schon Prozente?“, wollte ein Kunde dort am Montag wissen. Die gab es am Montag zwar noch nicht, doch diese Woche beginnt der Ausverkauf. Dann ist alles 30 Prozent billiger. „Mehr weiß ich auch noch nicht“, sagte die Filialleiterin am Telefon. Ihren Namen wollte sie ebenso wenig nennen wie die Mitarbeiterin, die an diesem Tag die Kunden bediente und von schlechten Nachrichten genug hat. „Ich habe in diesem Jahr schon viele Schicksalsschläge erlebt“, sagte sie mit tieftraurigem Blick. Was aus ihr und ihren vier Kolleginnen wird, das weiß zurzeit niemand.

Anders als bei den beiden verbliebenen XL-Märkten am Stern und an der Oberzwehrener Straße gibt es für die letzte kleine Schlecker-Filiale in Kassel offenbar keine Chance mehr. Für die XL-Märkte und die Schlecker-Tochter „Ihr Platz“, die in Kassel im Bahnhof Wilhelmshöhe und im Kulturbahnhof vertreten ist, hat sich nun ein Investor gefunden. Was das für die Mitarbeiter bedeutet, ist unklar.

Nach Angaben von Ver.di sind nach der ersten Schließungswelle in Nordhessen 60 Schlecker-Filialen (darunter sechs XL-Märkte) mit über 200 Mitarbeiterinnen übrig geblieben, die um ihre Zukunft bangen. In Stadt und Altkreis Kassel haben noch rund zehn von ursprünglich 21 Filialen geöffnet, unter anderem in Kaufungen und Fuldatal.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di setzt sich dafür ein, dass sie eine Chance bekommen. Die Zerschlagung des insolventen Unternehmens müsse nicht bedeuten, „dass alles plattgemacht wird“, sagte Erika Preuß, die beim Ver.di-Bezirk Nordhessen für den Fachbereich Handel zuständig ist. Der erste Schritt müsse sein zu schauen, ob sie von anderen Drogerieketten übernommen werden könnten. Die Gewerkschafterin sieht eine gemeinsame Verantwortung des Einzelhandels für die Schlecker-Frauen. Als Zwischenlösung sei auch eine Transfergesellschaft sinnvoll, damit sich die Frauen weiterbilden könnten. „Es ist eine schwierige Situation“, sagte Preuß. Am Dienstag und Mittwoch berät sie sich mit den Betriebsräten.

Dass die Drogeriekette Schlecker zerschlagen werden soll, setze den Mitarbeiterinnen sehr zu. Viele identifizierten sich mit dem Unternehmen: „Das ist ihr Betrieb, das ist ihre Kundschaft“, sagte die Gewerkschafterin. „Diese hohe Identifikation kommt aus einer Verantwortung heraus. Deshalb würden wir uns sehr freuen, wenn diese Läden eine Chance bekämen.“

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