documenta-Kunstwerk

Kleiner Begleiter des Penonebaums in der Karlsaue: Die zweite Stechpalme

+
Kleiner Begleiter des Penonebaums: Zu dem documenta-Kunstwerk gehört auch eine Stechpalme

Kassel. Neben der rund neun Meter hohen Skulptur aus einem Bronzeabguss eines Nussbaums, soll die Stechpalme für Wachstum und das Leben stehen.

Alle reden derzeit über den Obelisken – soll er auf dem Königsplatz bleiben oder nicht? Entschieden wird das in den nächsten Wochen. Solange bleibt der Obelisk das documenta-Kunstwerk, das für den meisten Gesprächsstoff sorgt. Da kann passieren, was will. Wobei sich zumindest der Penonebaum in der Karlsaue wieder einmal Mühe gibt, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Jetzt, wo die Kirschblüte an der Gustav-Mahler-Treppe immer prächtiger wird und es die Menschen wieder in die Aue zieht, fällt nämlich auch der kleine Begleiter des Penonebaums auf: Neben dem Kunstwerk gedeiht etwas Grünes vor sich hin. Und die Frage stellt sich: Was ist denn da los?

Die Antwort ist einfach und doch ein wenig kompliziert zugleich: Bei dem Gewächs handelt es sich nämlich um eine Stechpalme, die nicht per Zufall in Wettbewerb tritt mit dem doch übermächtigen Kunstwerk – kein David im Kampf gegen Goliath. Vielmehr gehört die Stechpalme zum Kunstwerk dazu. Es lässt sich insofern als Anlehnung an das berühmte Beuys-Kunstwerk der 7000 Eichen deuten: Auch hier zählt zu jedem Baum ein Begleiter – in diesem Fall ein Basaltstein.

Neben der rund neun Meter hohen Skulptur aus einem Bronzeabguss eines Nussbaums, der einen drei Tonnen schweren Findling in der Krone trägt, soll die Stechpalme für Wachstum und das Leben stehen. Das war die Idee des Künstlers Giuseppe Penone. Entsprechend äußerte sich auch Carolyn Christov-Bakargiev, die künstlerische Leiterin der documenta 13. Sie weihte das Kunstwerk bereits 2010 ein – zwei Jahre vor der 13. Auflage der Kunstausstellung. Damals erklärte Christov-Bakargiev, die Stechpalme neben dem Penonebaum solle wachsen und gedeihen wie die documenta selbst.

Zerstört oder eingegangen

Trotzdem entsteht der Eindruck, als ob sie jetzt erst wieder so richtig wahrgenommen wird – was seinen Grund hat: Die jetzige ist nämlich nicht mehr die ursprüngliche Stechpalme; diese wurde entweder zerstört oder ist eingegangen. Deshalb stand der Penonebaum während der d14 im vergangenen Jahr ohne seinen eigentlichen Partner da. Das Gartenamt der für das Kunstwerk verantwortlichen Stadt Kassel kümmerte sich schließlich um Ersatz und pflanzte 2017 eine neue Stechpalme. Sie wächst nun und kann einige Meter hoch werden.

Die ganze Geschichte könnte nun zu einer Art kleinem Vorbild für die documenta an sich werden, die ja aktuell einiges einstecken muss: Erst gestern hat die Süddeutsche Zeitung einen großen Bericht im Feuilleton veröffentlicht und Zweifel an der Zukunft der Weltkunstausstellung geäußert. Zuvor schon kritisierte die Frankfurter Allgemeine Zeitung die Entwicklung mit der Verpflichtung des Interimsgeschäftsführers Wolfgang Orthmayr, der bisher vor allem in der Musikbranche tätig war.

Aber, und das lehrt uns die Geschichte mit dem Penonebaum: Es geht immer weiter – mit der Kunst, mit der documenta, mit der documenta-Kunst. Zur Not eben auch mit einer neuen Stechpalme.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.