Nachbarn unterstützen Inhaber eines Nahkauf-Lebensmittelgeschäfts mit Abo-Aktion

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Gut bestückt: Der Nahkauf-Laden von Hüseyin und Makbule Turan bietet so gut wie alles, was man zum Leben braucht. Frisches Obst und Gemüse gehören ebenso zum Angebot wie Schnittblumen.

Unterneustadt. Frisches Obst und Gemüse, Käse und Brot - der Nahkauf-Laden von Makbule und Hüseyin Turan an der Blücherstraße bietet fast alles, was man zum Leben braucht. Die Kunden aus der Nachbarschaft wissen das Angebot zu schätzen.

Vom Schulheft bis zum Scheuerpulver, vom Brötchen bis zum Blumenstrauß - der 240 Quadratmeter große Eckladen in der Unterneustadt ist gut bestückt.

Die Turans sind auch bemüht, deren Wünsche zu erfüllen. So gibt es inzwischen ein breites Bio-Sortiment: Käse vom Kirchhof in Oberellenbach, Bio-Eier von der Domäne Frankenhausen, Brot von der Bäckerei Kirpi und vieles mehr. Das hat dem kleinen Laden neue Kunden gebracht.

Der hat es nicht leicht, sich gegen die Großen der Branche zu behaupten. Dass an der Hafenstraße ein Lidl-Markt aufgemacht hat, bekommen die Inhaber zu spüren. Karl Schöberl und andere Vereinsmitglieder des Werkhofs Unterneustadt, die sich für den Erhalt des Ladens einsetzen, haben deshalb vor einiger Zeit den Nahkauf-Gutschein auf den Weg gebracht, eine Art Abo für einen Einkauf in Höhe von 50 Euro pro Monat.

Ulrike Münter ist eine von 37 Abo-Kunden, die jeden Monat 50 Euro auf das Konto der Turans überweisen. „Ich habe das aus Solidarität gemacht“, sagt die 53-Jährige. Der Nahkauf-Laden sei auch so etwas wie eine soziale Einrichtung. „Hier treffen sich die Leute.“ Doch nur wenige decken dort wie Thomas Rudolff ihren gesamten Bedarf. Von dem vergessenen Pfund Mehl oder Butter kann der Laden nicht existieren. „Die Anwohner haben es selber in der Hand“, sagt Rudolff. „Meine Frau und ich finden hier alles.“

Bei null angefangen

Makbule und Hüseyin Turan kennen fast alle Kunden mit Namen. Einige haben ihnen auch das Du angeboten. „Ich bin gern mit Menschen zusammen“, sagt die 42-Jährige. Vor fünf Jahren haben sie und ihr Mann den Laden nach einem Jahr Leerstand übernommen. „Wir haben bei null angefangen“, sagt die gelernte Bürokauffrau, die seit 16 Jahren im Einzelhandel tätig ist. Damit der Laden läuft, arbeitet sie 60 Stunden pro Woche. „Wir müssen kämpfen.“

Die Vereinigten Wohnstätten 1889, denen die Ladenräume gehören, leisten Unterstützung. Laut Vorstand Uwe Flotho verzichtet die Genossenschaft weitgehend auf Miete. „Es ist wichtig, dass wir den Laden erhalten“, sagt Flotho mit Blick auf die älteren Menschen, die nicht mit dem Auto zum Einkaufen fahren könnten. 26 Prozent der Genossenschaftsmieter seien 65 Jahre und älter, 23 Prozent zwischen 50 und 64 Jahre alt. „Das sind langjährige Mieter.“ Der Wettbewerb im Einzelhandel sei so groß, dass ein kleiner Laden kaum überleben könne. Die Turans setzen alles daran.

Von Ellen Schwaab

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