Schlamm, Verwüstung und tote Ratten

Kleingartenverein Hofbleiche kämpft mit Folgen des heftigen Unwetters

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Überflutet: Enja (links) und Elin Rösseling helfen in Gummistiefeln ihrer Familie beim Schlamm-Entsorgen in der Kleingartenanlage Hofbleiche.

Kassel. Mit den Schäden, die das Unwetter der vergangenen Woche angerichtet hat, werden die Mitglieder des Kleingartenvereins Hofbleiche auf ihren Parzellen unterhalb des Weinbergs noch lange zu tun haben: Ein Drittel der insgesamt 36 schönen, eingewachsenen Gärten in der Südstadt ist verwüstet.

Dort stand das Wasser 80 Zentimeter hoch. Noch immer steht knöchelhoch stinkender Schlamm. Auf einer Strecke von 50 Metern ist die Begrenzungsmauer zur Karlsaue komplett auf das Gelände gestürzt. „Viele unserer Vereinsfreunde sind noch immer fassungslos“, sagt der Vorsitzende Klaus Stumper.

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Ursache für die Schäden waren große Wassermassen aus der nahen Kleinen Fulda, einem Unterlauf der Drusel. In rasender Geschwindigkeit war der Bach über die Ufer getreten. Ein in die Kleine Fulda gefallener, umgestürzter Baum nahe der Gartenanlage tat sein Übriges. Das Regenrückhaltebecken am Fuß des Weinbergs konnte die Wassermengen so schnell nicht aufnehmen. „Auf diese Gefahr haben wir als Ortsbeirat immer wieder hingewiesen“, sagt der ehemalige Ortsvorsteher Harald Doenst. Kasselwasser hatte am Wochenende den Großteil des Wassers abgepumpt, aber teilweise steht der Schlamm noch immer in den Gärten. Es stinkt nach Kloake, das Gelände ist mit Tausenden von toten Regenwürmern überzogen. Auch tote Ratten werden gefunden.

Eva Herold-Stein betrachtet ihren Garten und sagt: „Wie traurig das aussieht.“ In diesem Jahr könne sie nichts ernten. Kartoffeln, Salat, Kohl, Spinat und vieles mehr war schon kräftig gewachsen. „Jetzt ist das für den Verzehr nicht mehr geeignet.“

Das Gesundheitsamt hat Erdproben genommen und sogar davor gewarnt, die überfluteten Gärten in den nächsten Tagen wegen möglicher Keimbelastung zu betreten.

Einigen Kleingärtnern kommt dies bekannt vor: 1982 hatte Hochwasser schon einmal die Anlage überflutet. „Damals durften wir wegen der Verschmutzung drei Jahre lang nichts mehr ernten“, sagt Stumper.

Sorgen macht den Kleingärtnern auch die umgestürzte Mauer, die, wie man deutlich sehen kann, nicht einmal ein Fundament hatte. Sie muss jetzt von der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), die der Verpächter des Grundstücks ist, wieder aufgebaut werden. Wann das sein wird, stehe in den Sternen. Weil die Mauer denkmalgeschützt sei, müsse jeder Stein abgetragen und nummeriert werden. „Ich hoffe, die MHK nimmt sich nicht zu viel Zeit. Wir wollen unsere Gärten bald wieder zurückhaben“, sagt Sandra Stumper.

Unterkriegen lassen sich die Kleingärtner von der Hofbleiche nicht. „Wir sind eine gute Gemeinschaft, zusammen packen wir das an“, sagt Klaus Stumper. Ihr Fest zum 90-jährigen Bestehen, das sie jetzt feiern wollten, müssen sie auf später verschieben.

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