Viele halten sich nicht an Vorschriften

Taxigewerbe: Kleinkrieg um Fahrgäste

Reihe vor dem Taxistand: Vor dem Bahnhof Wilhelmshöhe warten Mietwagen ebenso selbstverständlich auf Fahrgäste wie die Taxis. Sie dürfen dies jedoch nur, wenn sie von einem Kunden dorthin bestellt worden sind. Foto:  Schachtschneider

Kassel. Es ist ein täglicher Kleinkrieg auf Kassels Straßen: Neben gut 150 Taxis werben etwa ebenso viele Mietwagen um Fahrgäste – häufig mit vorschriftswidrigen Methoden, klagt Geschäftsführer Rolf Freudenstein von der Taxi-Service-Zentrale Kassel.

Er spricht von „täglich hundertfachen Rechtsverstößen“, die das Taxigewerbe um 30 bis 40 Prozent des ihm zustehenden Umsatzanteils bringen würde. Um den Kern des Vorwurfs wird immer wieder auch vor Gericht gestritten: Die billigeren Mietwagen haben einen anderen Rechtsstatus als Taxis. Nach jedem Auftrag müssen die Mietwagen wieder zum Betriebssitz zurückkehren, sofern sie nicht unterwegs gleich eine Anschlussfahrt bekommen. Sie dürfen nicht wie Taxis im öffentlichen Raum auf Fahrgäste warten. Genau das, so Freudenstein, passiere täglich aber massenhaft. „Und das zuständige Ordnungsamt tut dagegen praktisch nichts.“ Ein Paradebeispiel sei der IC-Bahnhof in Wilhelmshöhe.

„Inzwischen haben sich die Minicars dort derart etabliert, dass sie sich ungeniert etwa 30 Meter vor der Taxenreihe mit mehreren Fahrzeugen bereitstellen“, sagt Freudenstein. In großen Abständen kämen einmal Kontrolleure der Stadt vorbei. „Dann behaupten die Fahrer, sie hätten einen telefonischen Auftrag, und es geht aus wie das Hornberger Schießen.“

Andere Brennpunkte am Wochenende seien die Kneipenmeilen an der Werner-Hilpert- und der Friedrich-Ebert-Straße, wo Mietwagen oft in zweiter Reihe auf Fahrgäste warten würden. Oder vor der Disco A7, wo sich ein Streifen mit absolutem Halteverbot als illegaler Halteplatz etabliert habe. „Da könnte die Stadt Strafzettel ohne Ende schreiben“, sagt Freudenstein.

Doch von den Behörden fühle sich das Taxigewerbe allein gelassen. Vor zwei Jahren hätten Taxiunternehmer eine eigene Kontrollaktion gestartet und dem Ordnungsamt etwa 400 Verstöße gemeldet. Davon sei kaum etwas verfolgt worden.

Hüseyin Cakir, Chef einer Kasseler Mietwagenfirma, weist die Vorwürfe zurück: „Wir haben an Wochenenden so viele Fahrten zu bedienen, dass wir es uns gar nicht erlauben können, dass Autos irgendwo herumstehen.“ Wenn Mietwagen vor Lokalen stünden, hätten sie auch einen Fahrauftrag. Alle seine Fahrer, so Cakir, müssten unterschreiben, dass sie die gesetzliche Rückkehrpflicht einhalten.

Aufträge per Funk

Die anderen Mietwagenfirmen sitzen in Umlandgemeinden. Nach Überzeugung von Taxi-Geschäftsführer Freudenstein gäbe es durchaus die Möglichkeit für das Ordnungsamt, zu überprüfen, ob an der Straße wartende Mietwagen tatsächlich von Kunden bestellt worden sind.

Rolf Freudenstein

„Viele bekommen ihre Aufträge inzwischen wie die Taxis per Datenfunk gesendet.“ Diese Daten könne man kontrollieren, „wenn man des Problems Herr werden wollte“. Doch der ordnungspolitische Wille dafür scheine zu fehlen, sagt Freudenstein.

Von der Stadt Kassel gab es gestern keine Antwort auf eine HNA-Anfragen zum Thema.

Von Axel Schwarz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.