Mehrere Initiativen wollen den Renthof am Steinweg zum Haus der Musik machen

Kleinod im Herzen Kassels

Oase der Ruhe mitten in der Stadt: Der Innenhof des Renthofes, früherer Kreuzgang der Alten Brüderkirche. Fotos: Koch

Kassel. Das ergäbe eine stattliche Reihe: Fridericianum - Ottoneum - Mauritianum. Karl-Hermann Wegner, ehemaliger Leiter des Kasseler Stadtmuseums, ist begeistert von der Vorstellung, das Mauritianum, die Hofschule Landgraf Moritz‘ des Gelehrten (1572-1632) wiederzubeleben - als Haus der Musik. Dies fordern auch mehrere Initiativen in der Stadt. Historisch ist das gut begründet: An diesem Ort wurde der Komponist Heinrich Schütz (1585-1672) ausgebildet, dem die Kasseler Musiktage 2010 gewidmet waren.

Das Mauritianum? Heute heißt das Gebäude am Steinweg, das an die Alte Brüderkirche angebaut ist, Renthof. Es ist im Besitz der Stadt Kassel und beherbergt ein Seniorenzentrum mit derzeit 53 pflegebedürftigen alten Menschen. Doch die werden in zwei bis drei Jahren in einen Neubau umziehen. Was danach mit dem ältesten bewohnten Gebäude Kassels geschieht, ist noch nicht entschieden.

Man wolle sich rechtzeitig für eine sinnvolle Nutzung des historisch bedeutsamen Ensembles einsetzen, bevor andere Entscheidungen getroffen werden, sagt Wegner. Damit spricht er auch für andere Befürworter eines Hauses der Musik, zu denen ein Kreis um die Bärenreiter-Verlegerin Barbara Scheuch-Vötterle und auch die Grünen-Fraktion im Kasseler Rathaus gehören.

In der Tat ist nicht nur die Geschichte des Renthofs äußerst eindrucksvoll. Es handele sich auch um das einzige Ensemble höfischer Renaissancearchitektur, das in Kassel erhalten ist, wie Christian Presche, Sprecher des Arbeitskreises Denkmalschutz und Stadtgestalt, betont. • Historische Bedeutung

In dem Gebäude befand sich nicht nur das Mauritianum, die Hofschule Moritz‘ des Gelehrten mit ihrem berühmten Schüler Heinrich Schütz. Im 17. Jahrhundert hatte hier zeitweise auch eine erste Kasseler Universität ihr Domizil. Auch liegen hier die Anfänge der Landesbibliothek. • Die Gebäudesubstanz

Das Gebäude besteht aus drei Flügeln, die zusammen mit der Brüderkirche einen Innenhof, den früheren Kreuzgang der Brüderkirche, umschließen. Der Bau geht auf ein gotisches Karmeliterkloster zurück und wurde von Landgraf Moritz als Collegium Mauritianum ausgebaut.

Westflügel und Südflügel entsprechen weitgehend dem baulichen Zustand von 1830, enthalten aber viel Substanz aus der Renaissancezeit. Das Treppenhaus zur Hoffront ist die einzige in Kassel erhaltene Fachwerkarchitektur. Das Treppenhaus selbst ist ein hervorragendes Zeugnis spätbarocker Schreinerkunst. Der Zwischenbau zwischen Südflügel und Brüderkirche wurde 1964 errichtet. Früher vorhandene Zugänge vom Innenhof zur Brüderkirche sind nicht mehr nutzbar.

Von Werner Fritsch

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