Kasseler Volkswirt befragt Bevölkerung zum Nutzen internationaler Konferenzen

Klima-Ritual auf Prüfstand

Andreas Ziegler

Kassel. Politiker, Wissenschaftler und Umweltschützer treffen sich einmal jährlich zur Weltklimakonferenz - auf verbindliche Regeln haben sie sich bislang aber nicht geeinigt. Allerdings sorgen sich offenbar immer mehr Menschen ums Klima. Sie nutzen zunehmend Ökostrom, fahren sparsamere Autos und setzen auf energieeffiziente Haushaltsgeräte.

Doch was halten sie eigentlich von Klimaschutzabkommen? Und inwieweit kann ihr freiwilliger Umweltschutz den Erfolg internationaler Klimapolitik positiv beeinflussen? Das erforscht jetzt erstmals Volkswirtschaftsprofessor Andreas Ziegler von der Uni Kassel im Rahmen einer dreijährigen Studie.

„Bisherige Untersuchungen beziehen sich meist auf die Teilnehmer der Konferenzen“, sagt der 45-jährige Leiter des Fachgebiets Empirische Wirtschaftsforschung. Die Sicht der Bürger sei hingegen noch weitgehend unbekannt. Deshalb untersucht Ziegler, wie die Ergebnisse internationaler Umweltgipfel in der Bevölkerung ankommen, inwiefern sie sich freiwillig für den Klimaschutz einsetzen und ob sie gar bereit wären, Kompensationszahlungen für selbst verursachte CO2-Emissionen zu leisten.

Dazu befragt sein Team zusammen mit Experten vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung, Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung und von der Uni Hamburg jeweils 1000 Personen in Deutschland, China und den USA. Ziel sei es, Klimakonferenzen künftig erfolgreicher zu machen. „Basis dafür sollen die Erkenntnisse unserer Studie sein“, sagt der Volkswirt, der das vom Bund geförderte Forschungsprojekt leitet.

Mithilfe der repräsentativen Befragungen erhofft er sich Angaben zum persönlichen Klimaschutz der Teilnehmer. Würden Chinesen Ökostrom nutzen? Was halten US-Amerikaner von stromsparenden Haushaltsgeräten? Inwiefern würden Deutsche auf Autos verzichten? „Wir möchten aber auch etwas über die Bereitschaft zu Kompensationszahlungen für selbst verursachte Treibhausgas-Emissionen erfahren“, erklärt Ziegler. Es gebe bereits Organisationen, die freiwillige Zahlungen für Flugreisen anbieten und das Geld in Klimaschutzprojekte leiten. Zudem interessieren sich die Forscher für gerechte Lastenverteilungen im Klimaschutz aus Sicht der Bürger. So möchten sie unter anderem wissen, ob Industriestaaten nicht stärker belastet werden sollten als ärmere Länder.

Ziegler ist überzeugt, dass wirkungsvolle internationale Klimaabkommen auf nationaler Ebene mitgetragen werden müssen. Auf dem Weg dorthin seien vor allem Aufklärung und der Dialog mit der Öffentlichkeit wichtig. „Politische Entscheidungsträger sollten die Haltung der eigenen Bevölkerung kennen“, sagt er. Deswegen werden ihnen die Forscher die Ergebnisse ihrer Studie persönlich vorstellen. Und zwar auch dort, wo sie von besonderem Interesse sein dürften: auf einer der nächsten Weltklimakonferenzen. Foto: bf

Von Sebastian Schaffner

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