Wirtschaftswissenschaftler entwickeln Anpassungskonzepte für regionale Unternehmen

Fit für den Klimawandel?

Klimawandel als Achillesferse: Auch der Bahnverkehr (hier ein ICE im Bahnhof Wilhelmshöhe) muss sich auf Wetterextreme vorbereiten. Die Logistikbranche sieht sich ebenfalls vor neue Herausforderungen gestellt. Foto:  Dilling

Kassel. Der Klimawandel bringt extreme Wetterereignisse mit sich, die auch Unternehmen aus dem Tritt bringen können: Im Dezember 2009 blieben Lokomotiven des Eurostars im Tunnel unter der Nordsee wegen starker Vereisung stehen. 2010 und auch dieses Jahr versagten bei hochsommerlicher Hitze mehrfach Klimaanlagen in ICEs der Deutschen Bahn.

„Im Zeichen des Klimawandels sind Unternehmen aufgefordert, ihre Prozesse auf Verletzlichkeit zu überprüfen“, sagt Dr. Michael Walther vom Fachgebiet Nachhaltige Unternehmensführung der Universität Kassel.

Da herrscht in vielen Firmen aber noch Nachholbedarf. Das ist eines der Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter 2300 nordhessischen Unternehmen verschiedener Branchen und Größe, die die Kasseler Wissenschaftler im Rahmen des regionalen Klima-Anpassungsprojekts KLIMZUG Nordhessen (Klimawandel zukunftsfähig gestalten) ausgewertet haben.

„Das Thema Klimaschutz ist in den Unternehmen angekommen“, sagt Professor Jürgen Freimann, Leiter des Fachgebiets, „Klimaanpassung ist jedoch weitgehend Neuland, denn die Ungewissheit, woran man sich in Nordhessen anpassen soll, ist sehr groß.“ Der Klimawandel werde von den Firmen je nach Branche und Struktur unterschiedlich bewertet. Die Logistik- und Gesundheitsbranche nehme eher die Risiken wahr, während die Bau- und Energiewirtschaft sich neue Marktchancen ausrechne. „Insbesondere die eigentümergeführten Unternehmen gehen konstruktiv und langfristig an die Herausforderungen des Klimawandels heran“, sagt der Forscher.

Bei gezielten persönlichen Nachfragen in mehr als 20 Unternehmen haben die Wissenschaftler festgestellt, dass die Firmenchefs derzeit noch keine Anpassungspläne entwickelt haben, um beispielsweise auf klimabedingte Störungen in der Produktion sofort reagieren zu können. Solche Konzepte seien aber auf lange Sicht nötig, sagt Freimann. Schnell könne die Produktion in einem Betrieb stocken, wenn beispielsweise der Zulieferbetrieb in Asien wegen einer Überschwemmung ausfällt. „Die Unternehmen müssen ihre Planungshorizonte erweitern, ihre Anpassungsfähigkeit erhöhen und Konzepte dafür zumindest in der Schublade haben“, sagt Projektleiter Walther, „denn der Klimawandel ist nur eine der Herausforderungen, die eine schnelle und flexible Anpassung notwendig machen können.“ Die Wissenschaftler bieten interessierten Unternehmen an, solche Konzepte modellhaft zu entwickeln. Kontakt: walther@wirtschaft.uni-kassel.de

Von Peter Dilling

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.