Greenpeace-Experte: "Taten statt Warten"

Klimawandel: Mit diesen Tipps können wir die Welt vielleicht retten

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Fliegen ist toll, hat aber Folgen: Ein Langstreckenflug nach Nordamerika verursacht fast doppelt so viel Kohlendioxid, wie das klimaverträgliche Jahresbudget eines Menschen erlaubt.

Wegen des Klimawandels hat eine Kasselerin auf den Hauptpreis eines Gewinnspiels verzichtet: eine Flugreise nach Kanada. Aber wie können wir alle umweltbewusster leben? Fünf wichtige Tipps.

Alexander Büttner von Greenpeace versteht die Aufregung nicht, wieso es falsch sein soll, eine geschenkte Reise nach Kanada abzulehnen. "Fliegen ist schlecht für das Klima", sagt der 40-Jährige. Genau darum hat Mirl Redmann den Hauptpreis beim Tigerenten-Rennen nicht angenommen, eine 5000 Euro teure Reise nach Kanada. Stattdessen fragte sie bei Hauptsponsor VW, ob sie nicht etwa eine Bahncard 100 haben könne, die mit 4270 Euro sogar noch günstiger ist. Das Ergebnis ist offen.

Nun wird darüber diskutiert, ob Redman richtig gehandelt hat. Dabei haben die allermeisten längst erkannt, dass der von Menschen auch durch den Flugverkehr gemachte Klimawandel eine große Gefahr ist. Laut UN-Generalsekretär António Guterres ist er "die größte systematische Bedrohung für die Menschheit".

71 Prozent der Deutschen haben vor den Folgen mehr Angst als vor Krieg, Terror und Altersarmut. Trotzdem unternehmen wir weiter Fernreisen, fahren SUVs und essen zu viel Fleisch. Wie jeder im Alltag seine Ökobilanz verbessern kann, erklärt Greenpeace-Experte Büttner.

Dieser Beitrag ist ein Inhalt der Video-Plattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Klimakiller Flugzeug

Schon eine einzige Flugreise kann für die persönliche Ökobilanz ein Desaster sein. Mit einem Flug von Frankfurt nach Toronto etwa verursacht jeder Passagier pro Kopf etwa 3900 kg Kohlendioxid (CO2) und liegt damit bereits weit über dem klimaverträglichen Jahresbudget eines Menschen von 2300 kg.

Büttner, der als Zahntechniker arbeitet, ist in seinem Leben erst zweimal geflogen. Das letzte Mal ist auch schon zehn Jahre her, er war damals auf Kreta im Urlaub. Für einen Aufenthalt in Straßburg ist er zuletzt mit dem Zug nach Straßburg gefahren, denn: "Kurzstreckenflüge sind ein No-Go."

Wer trotzdem beruflich fliegen muss oder wer auf den Besuch in New York nicht verzichten will, dem empfiehlt Büttner Organisationen wie Atmosfair und Myclimate, bei denen man seinen CO2-Ausstoß etwa durch einen Flug kompensieren kann. Für einen Flug von Frankfurt nach Toronto werden beispielsweise 91 Euro fällig, mit denen zum Beispiel saubere Technologien gefördert werden. Kompensieren ist also mehr als ein Ablasshandel.

Wer seinen Urlaub übrigens lieber auf einem Schiff verbringt als im Flugzeug, ist auch nicht besser - im Gegenteil. Eine neuntägige Kreuzfahrt schlägt mit 2000 kg CO2 zu Buche. Da ist der Flug zum Hafen noch gar nicht einberechnet.

Greenpeace-Mitglied Alexander Büttner

Klimakiller Auto

Greenpeace-Mann Büttner war nicht immer so umweltbewusst wie heute. Als Jugendlicher war ihm "Party wichtiger als Politik". Dann wollte er etwas ändern. Der gebürtige Kasseler war kurz bei den Grünen, ehe er Greenpeace für sich entdeckte. Ihm gefiel das Motto der Organisation: "Taten statt Warten." Ein Auto besaß er aber auch früher nicht, als er noch kein Umweltaktivist war.

Er weiß, dass nicht jeder nur radeln kann, um zur Arbeit zu kommen. In dem Zahnlabor, in dem er arbeitet, bilden viele Kollegen Fahrgemeinschaften. Auch Carsharing-Angebote sind eine Alternative zum eigenen Wagen. Als er mit anderen Greenpeace-Mitgliedern Anfang September auf der Ederseespeermauer gegen eine Hähnchen-Mastanlage demonstrierte, fuhren die Kasseler mit dem Zug nach Fritzlar und die restlichen 20 Kilometer mit dem Rad. Ein klimabewussteres Leben, so Büttners Botschaft, ist nicht unbedingt einfacher, aber es ist machbar.

Klimakiller Fleisch

Seit neun Jahren ernährt sich Büttner vegetarisch - und er vermisst nichts, "außer manchmal den Geschmack der Ahlen Wurscht". Er sagt, dass man sich auch heute noch ein Schnitzel gönnen darf, aber "man muss die Fleischproduktion reduzieren, und vegetarische oder vegane Ernährung ist besser für das Klima". Mittlerweile produzieren die fünf größten Fleisch- und Milchkonzerne der Welt mehr Treibhausgase als der Ölriese Exxon-Mobil.

Aber nicht nur Fleisch ist ein Klimakiller, auch die weiten Transportwege sind es. "Bio-Äpfel aus Ägypten sollte man möglichst nicht kaufen", rät Büttner: "Bio ist nicht gleich Bio."

Man kann schon im Kleinen anfangen: Eine Tasse Tee verursacht nur halb so viel CO2 wie Kaffee.

Klimakiller Kleidung

Nach der Ölindustrie gilt die Modeindustrie als zweitgrößter Umweltverschmutzer. Das liegt auch daran, dass jeder Deutsche durchschnittlich 60 neue Kleidungsstücke im Jahr kauft, von denen dann viele kaum getragen werden. "Wir müssen ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft setzen", fordert Büttner, der mit seinen Greenpeace-Kollegen an diesem Sonntag (12 bis 18 Uhr) zum sechsten Mal einen Adventskleidertausch im Kasseler Umwelthaus in der Wilhelmsstraße organisiert. Hier kann Kleidung getauscht und auch repariert werden. Das ist ein Gegenmodell zu den großen Modeketten, die ihre Kollektionen bis zu 24 Mal im Jahr wechseln. Eine Alternative ist auch die Kleidung der Kasseler Designerin Sophia Schneider-Esleben, die H&M, Zara und Co. den Kampf angesagt hat.

Über das Klima reden

Manche werden jetzt sagen: So ein Leben, wie es Alexander Büttner führt, mache gar keinen Spaß mehr. Der Greenpeace-Mann indes sagt: "Ich finde nicht, dass ich eingeschränkt bin." Wenn er mit anderen über seinen Lebensstil redet, vermeidet er den erhobenen Zeigefinger. Aber er freut sich, wenn Freunde sagen: "Du, ich bin heute mit dem Rad zur Arbeit gefahren. Und ich esse jetzt weniger Fleisch."

Ein bewussterer Lebensstil allein hilft allerdings noch nicht, das Klima zu retten. Eine Studie des Umweltbundesamtes hat herausgefunden, dass der Umweltverbrauch um so höher ist, je mehr man verdient. Wer in einer großen Altbauwohnung lebt, die nicht gedämmt ist, verursacht demnach mehr CO2 als ein Flug pro Kopf nach Kanada.

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