Geologe Wolfgang Faupel

Klimawandel trifft Dönche: Gutachter stellt neue Studie vor

Naturschutzgebiet in Bedrängnis: Die Dönche leidet zunehmend unter Trockenheit. Foto: Fischer

Kassel. Schuld an der Trockenheit in der Dönche ist der Klimawandel. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten des Geologen Wolfgang Faupel vom Kasseler Ingenieurbüro agc. Auftraggeber der 15 000 Euro teuren Expertise waren die Stadt Kassel und das Regierungspräsidium.

Faupel stellte sie am Dienstagabend bei einer gemeinsamen Ortsbeiratssitzung der Stadtteile Nordshausen, Süsterfeld-Helleböhn, Oberzwehren und Brasselsberg vor.

„Das Austrocknen des Dönchebaches und Krebsbaches ist eindeutig auf die klimatischen Rahmenbedingungen der letzten Jahre zurückzuführen“, sagte Faupel im mit 60 Zuhörern voll besetzten Bürgerhaus in Nordshausen. Beide Bäche würden ihr Wasser vorrangig aus Niederschlägen beziehen. Diese würden in den Moorgebieten entlang der Uferbereiche wie in einem Schwamm erst gespeichert und dann nach und nach an die Bäche abgegeben.

Speziell in den Sommermonaten sei das Oberflächenwasser nicht ausreichend, um die Moorflächen zu füllen, sagte der 54-Jährige, der Wetterdaten von 1992 bis 2012 analysiert hat. Die Daten stammen von der inzwischen stillgelegten Wetterstation an der Heinrich-Schütz-Allee.

Der Gutachter: Wolfgang Faupel

Zwar seien Niederschlagsmenge und Verdunstungsrate insgesamt konstant geblieben. „Wenn man sich aber die Werte monatsweise anschaut, wird deutlich, dass es in den Sommermonaten immer kürzer, dafür aber stärker regnet“, sagte Faupel. Das sei deshalb gravierend, da in der warmen Jahreszeit auch das meiste Wasser verdunstet - und zwar laut Faupel 79 Prozent der jährlichen Verdunstungsmenge. „Wenn es im Sommer länger und konstanter regnen würde, wäre das für die Dönche besser.“

Anders als Dönchebach und Krebsbach führe der Nordshäuser Mühlbach ganzjährig Wasser. Der Grund: „Er wird zur Hälfte von Grundwasser gespeist, das aus der Zeche Marie fließt.“ Ein Trennbauwerk von Kasselwasser oberhalb der Konrad-Adenauer-Straße regelt die Wasserzufuhr. „Nur bei Starkregen schlägt das Trennbauwerk überschüssiges Wasser auch in den Dönchebach ab“, sagte Faupel.

Zwar könnte man das Trennbauwerk so umbauen, dass es ganzjährig auch Wasser an den Dönchebach abgibt. Das Wasser würde jedoch lediglich durchfließen und könnte die Moorgebiete nicht auffüllen, ist sich der Geologe sicher. „Zudem geht jeder Wasserzuschlag zum Dönchebach auf Kosten des Feuchtbiotops Heisebachtal, das bis zu 50 Prozent aus dem Nordshäuser Mühlbach gespeist wird“, sagte Faupel.

Nach der Vorstellung kritisierten zahlreiche Zuhörer das Gutachten, allen voran Vertreter der Bürgerinitiative Dönche und der Naturschutzorganisation BUND. So seien die zunehmende Vegetation in der Dönche, die Brasselsberg-Bebauung, die Baubewegungen an der Landesfeuerwehrschule sowie der Grundwasserspiegel nicht ausreichend berücksichtigt worden.

Die Ortsbeiräte nahmen das Gutachten zur Kenntnis und wollen sich in den kommenden Sitzungen näher mit dem Thema befassen.

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