Nach Herzeingriff: 88-Jähriger verlässt Kasseler Klinikum aus Wut

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Ort des Geschehens: Nach einem Herzkathetereingriff verließ Fritz Kieselbach das Klinikum Kassel auf eigene Verantwortung. Er wirft dem Klinikum vor, einen Patienten nicht schnell genug versorgt zu haben und kritisiert das Verhalten des Personals.

Kassel. Der 88-jährige Fritz Kieselbach aus Kassel hat kurz nach einem Herzkathetereingriff das Klinikum Kassel auf eigene Verantwortung verlassen.

Kieselbach wirft dem Klinikum vor, sich nicht ausreichend um einen Mitpatienten gekümmert zu haben. Außerdem kritisiert er das unfreundliche Verhalten eines Arztes. Das Klinikum weist die Vorwürfe zurück.

Kieselbach stellt den Vorfall so dar: Nach dem Eingriff sei er in ein Durchgangszimmer mit drei Betten gebracht worden. Im Nachbarbett habe plötzlich ein Mann vor Schmerzen laut geschrien. „Ich habe sechsmal den Notrufknopf gedrückt, jedesmal kam Pflegepersonal, aber kein Arzt“, sagt Kieselbach. Der Mann habe fast eine halbe Stunde lang geschrien. Erst dann sei der Arzt gekommen. Er habe den Mediziner aufgefordert, dem Mann zu helfen. Darauf soll der Arzt gesagt haben: „Halten Sie den Mund.“ Nachdem sich der Mediziner um den Patienten im Nachbarbett gekümmert habe, habe Kieselbach darum gebeten, in ein anderes Zimmer verlegt zu werden. Vier Stunden habe er bereits in dem Durchgangszimmer verbracht.

Verließ das Klinikum vorzeitig: Fritz Kieselbach.

Darauf soll der Arzt ziemlich barsch reagiert haben: „Was denken Sie denn, es muss erst einmal ein Bett frei werden.“ Kieselbach: „Dann ist mir der Kragen geplatzt.“ Er habe sich die Schläuche herausgerissen, um die Klinik zu verlassen. Eine ihm vorgelegte Erklärung, dass er die Klinik auf eigene Verantwortung verlasse, habe er nicht unterschrieben. Kieselbach: „Ich habe der Schwester gesagt, wenn Sie auf die Erklärung schreiben, warum ich gehe, unterschreibe ich sie auch.“ Anschließend habe er das Klinikum verlassen. Sein Sohn habe ihn dann zu einem Arzt gefahren.

Nach den Angaben des Klinikums lag Kieselbach nicht in einem Durchgangszimmer, sondern in einem spezialisierten Bereich für Patienten mit akuten Herzproblemen innerhalb der Zentralen Notaufnahme, der Chest-Pain-Unit. Das Pflegepersonal habe kurzfristig auf die Klingel reagiert und sei so erfahren, dass es entscheiden könne, ob sofort ein Arzt kommen müsse oder nicht. Alle Patienten auf der Chest-Pain-Unit seien an Überwachungsgeräte angeschlossen. Deren Daten liefen am Stationsarbeitsplatz zusammen. „Somit war eine lückenlose Überwachung gewährleistet“, heißt es in einer Erklärung des Klinkums.

Dass der Arzt den 88-Jährigen angefahren habe, könne man nicht bestätigen. „Wir bedauern jedoch, wenn der Patient sich unfreundlich behandelt gefühlt hat“, teilt das Klinikum mit. In der Tat sei zunächst noch unklar gewesen, wann Kieselbach von der Chest-Pain-Unit auf die Normalstation habe verlegt werden können. Obwohl zwei Oberärzte Kieselbach vor den großen Risiken gewarnt hätten, habe sich der 88-Jährige die Schläuche und den Druckverband selbstständig abgenommen und das Krankenhaus auf eigene Verantwortung verlassen.

Zum Gesundheitsszustand des anderen Patienten konnte das Klinikum aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Angaben machen. (mkx)

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