Kliniken: Lieferprobleme bei Medikamenten

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Kliniken: Lieferprobleme bei Medikamenten

Kassel. In Kasseler Kliniken kommt es zu Lieferschwierigkeiten bei Medikamenten. Die Krankenhäuser müssen auf andere Präparate ausweichen.

Die Engpässe verursachten großen Aufwand, die Versorgung sei aber gesichert, heißt es aus den Krankenhäusern. Betroffen ist unter anderem das Kasseler Klinikum. „Durchschnittlich drei- bis fünfmal pro Woche kommt es vor, dass ein Präparat nicht geliefert werden kann“, sagt Sprecherin Gisa Stämm.

Bei rund 400 Bestellungen pro Woche ist das vergleichsweise wenig, die Tendenz sei aber steigend. Betroffen sind laut Stämm alle Medikamentengruppen, teure Einzelprodukte ebenso wie gängige Artikel, Originalhersteller ebenso wie Generika-Hersteller.

Generika sind Kopien von Arzneimitteln, deren Patentschutz abgelaufen ist. Suche nach Alternativen Falls ein Produkt nicht geliefert werden könne, suche die Klinik-Apotheke nach Alternativen. „Das kann eine andere Packungsgröße, aber auch ein anderer Hersteller sein“, sagt Stämm. Bisher sei immer ein gleichwertiger Ersatz gefunden worden. Allerdings müssten sich die Stationen auf wechselnde Präparate einstellen.

Auch im Rotkreuz-Krankenhaus (RKH) gibt es ab und zu Lieferengpässe, bestätigt Sprecher Dr. Berend von Thülen. Dies sei aber kein Problem für die Patientenversorgung, da die Apotheke problemlos auf andere Lieferanten ausweichen könne. Angaben zu den betroffenen Medikamenten macht das RKH nicht. Betroffen sind allerdings offensichtlich nicht alle Krankenhäuser: Die Diakonie-Kliniken in Kassel seien bisher nicht betroffen gewesen, erklärte Sprecherin Susanne Wolf.

Die Diakonie beziehe zwar auch Medikamente über die Apotheke des Klinikums Kassel, habe aber nicht den gleichen Bedarf. Trotzdem ist das Problem auch der Diakonie bekannt: Ursache der Entwicklung ist laut dem ärztlichen Direktor, Dr. Andreas Fiehn, eine massive Bereinigung des Medikamentenmarktes. Es komme zu extremen Monopolisierungen bei den Herstellern. Von einer globalen Zentralisierung spricht man bei der Gesundheit Nordhessen. Wirkstoffe würden zum Teil weltweit nur noch an wenigen Standorten hergestellt.

Wenn ein Glied der Produktionskette ausfällt, lasse sich das nicht kompensieren. In Deutschland gibt es keine Behörde, die Engpässe bei der Medikamentenversorgung erfasst. Allerdings würden in der Regel die Fachkreise über Versorgungsengpässe informiert, heißt es beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm). Dabei werde das Bfarm einbezogen. Dort sieht man momentan nur einen Lieferengpass: Betroffen seien Zytostatika, Substanzen, die das Zellwachstum hemmen. Sie werden unter anderem zur Krebsbehandlung eingesetzt.

Von Göran Gehlen

Bei diesen Präparaten gab es Probleme

Lieferprobleme gab es in den vergangenen Monaten unter anderem bei Antibiotika, Blutprodukten und Krebsmedikamenten, Bronchialarzneien, Infusionslösungen und Aspirin zur intravenösen Verabreichung. Die Verfügbarkeit war aber je nach Bundesland unterschiedlich.

Die Gründe für die Lieferprobleme seien vielfältig, sagt Andreas Aumann, Sprecher des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie. Viele Wirkstoffe würden aus Kostengründen nur noch in China und Indien produziert. Wenn die Wirkstoffe dort nicht lieferbar sind, können weltweit keine Arzneimittel produziert werden. Für manche Wirkstoffe, gerade im Bereich der Antibiotika, gebe es nur noch einen einzigen Anbieter, meistens in China.

Die Konzentration der industriellen Produktion sei eine Folge des weltweiten Kostendrucks im Gesundheitswesen: Arzneimittel könnten nicht mehr wirtschaftlich produzieren werden. Als Beispiel nennt Aumann den wichtigen Krebswirkstoff 5-Fluoruracil. Hier seien die Preise in Deutschland so niedrig, dass eine Herstellung nicht mehr kostendeckend erfolgen kann. (gör)

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