Klinikum: Altes Schwesternheim muss für Hubschrauber-Landeplatz weichen

In den Klauen der Knabberzange zerbröseln die über 50 Jahre alten Mauern wie ein mürber Keks. Der riesige Abrissbagger auf dem Gelände des Kasseler Klinikums rückt derzeit dem ehemaligen Schwesternwohnheim in Haus 14 zu Leibe.

Kassel. In den Klauen der Knabberzange zerbröseln die über 50 Jahre alten Mauern wie ein mürber Keks. Der riesige Abrissbagger auf dem Gelände des Kasseler Klinikums rückt derzeit dem ehemaligen Schwesternwohnheim in Haus 14 zu Leibe.

Das neunstöckige Gebäude muss weichen, weil es im Abflugbereich des künftigen Landeplatzes für den Rettungshubschrauber stört. Dieser entsteht auf dem neuen Eingangsgebäude an der Mönchebergstraße, das Anfang nächsten Jahres in Betrieb gehen soll.

Das Gebäude zu erhalten, abzutragen und umzubauen wäre aus bautechnischen, energetischen und brandschutztechnischen Gründen „total unwirtschaftlich“ gewesen, sagt Frank Damm-Schefski, Leiter des Zentralbereichs Bau und Technik.

So wurde nach den Osterferien zunächst damit begonnen, das Innenleben wie Fußböden, Leitungen und Dämmmaterial rauszureißen, sorgfältig zu trennen und umweltgerecht zu entsorgen.

In dieser Woche nun rückte der riesige Spezial-Bagger an, der das 1959 errichtete Gebäude Stück für Stück abträgt. Die Knabberzange an dem 41 Meter langen Arm beiße mit Riesenkraft zu, erläutert Baggerführer Dieter Urban. In etwa drei Wochen wird seine Arbeit erledigt sein. Nur die drei Kellergeschosse werden von dem einstigen Schwesternwohnheim bleiben. Der gesamte Abriss kostet laut Damm-Schefski rund 800 000 Euro.

Als das Haus erbaut wurde, galt die rund eine Million Mark teure Einrichtung als modern und fortschrittlich. Immerhin hatte jedes der Schwesternzimmer fließendes Wasser und einen Telefonanschluss. 1960 wurde auch die Schwesternschule eröffnet, die den so dringend benötigten Nachwuchs heranbilden sollte, wie der damalige Oberbürgermeister Dr. Lauritz Lauritzen betonte: „Denn die Stadt muss dazu beitragen, junge Mädchen zu diesem entsagungsvollen Beruf heranzuziehen“, zitierte ihn die Hessische Allgemeine.

Da Krankenschwestern heute in der Regel nicht mehr im Krankenhaus wohnen, wurden die Räume ab 1987 in Büros umgewidmet. Zuletzt waren hier noch der Betriebsrat, die Hygieneabteilung und die Firma Ökomed untergebracht. Eine neue Bebauung ist für dieses Gelände, auf dem der zwischenzeitlich verlagerte Recyclingplatz wieder untergebracht werden soll, nicht geplant, erläutert Damm-Schefski.

Das gilt auch für den Bereich der einstigen und inzwischen abgerissenen Hautklinik neben der Pathologie. Hier werden derzeit noch die Kellerreste entfernt und soll bis Herbst eine Grünanlage entstehen.

Hintergrund: Eingangsgebäude bald fertig

Ab Anfang nächsten Jahres sollen die rund 500 täglichen Besucher des Klinikums das neue Empfangsbgebäude als zentralen Eingang nutzen. „Wir sind im Zeit- und Kostenplan“, sagt der Leiter des Zentralbereichs Bau und Technik, Frank Damm-Schefski. Ende des Jahres soll der 26,4 Millionen Euro teure Rundbau, auf dessen Dach künftig der Rettungshubschrauber landen soll, fertig sein. 18,63 Mio. Euro kommen als Förderung vom Land. Neben Empfangs- und Informationsbereichen sowie der Patientenaufnahme werden hier der Personalspeiseraum, eine Cafeteria, ein Konferenzraum, eine Bibliothek, die sozialen Dienste und viel Technik untergebracht. (hei)

Von Martina Heise-Thonicke

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