Mitarbeitervertreter kritisieren Umgang mit der Belegschaft

Klinikum-Chef Sontheimer: Erfolgsmanager oder Tyrann ?

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In der Kritik: Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Dr. Gerhard M. Sontheimer am Dienstag zum Vorstandschef des Klinik-Konzerns Gesundheit Nordhessen Holding wiedergewählt wird.

Kassel. Bevor er vor zehn Jahren seinen Vertrag als Vorstandsvorsitzender der Gesundheit Nordhessen AG unterschrieb, hatte er bereits einmal das Handtuch geworfen. Dr. Gerhard M. Sontheimer zog im November 2004 seine Bewerbung für den Chefposten am Klinikum Kassel kurzzeitig zurück.

Grund: Mitglieder des Aufsichtsrats hatten angeblich über sein vertrauliches Bewerbungsgespräch geplaudert.

Es war damals davon die Rede, dass Sontheimer ein Jahresgehalt in Höhe von 350 000 Euro gefordert habe. Er bestritt das. Ein Kräftemessen zwischen der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat und dem damaligen Oberbürgermeister Georg Lewandowski sei der wahre Grund für die Streitigkeiten um seine Person, erklärte Sontheimer Ende 2004 gegenüber der HNA.

Im Jahr 2014 haben sich nicht nur die Arbeitnehmervertreter gegen Sontheimer gestellt. Bedenken gegen seinen Führungsstil gibt es seit Langem auch von Anteilseignern. Dem 54-jährigen Klinikmanager wird vorgeworfen, nicht kommunizieren zu können.

Keine Zusammenarbeit

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Er mache seine Mitarbeiter, vor allem Chefärzte und Bereichsleiter, fertig und tyrannisiere sie, sagen Kritiker. Führungskräfte würden in Gesprächen abgekanzelt, er stelle sie bloß, „breche“ sie. Die Folgen: Manche kündigten, andere bekämen gesundheitliche Probleme oder litten unter dem Burn-out-Syndrom. „Zusammenarbeit ist mit ihm nicht möglich, außer man ist mit ihm einer Meinung“, sagt ein Mitarbeiter.

Über die Chefärzte am Klinikum wird gesagt, dass sie in die „innere Emigration“ gegangen seien. Obwohl an dem kommunalen Krankenhaus Zentren eingerichtet wurden, arbeiteten die Chefärzte nur für sich selbst. Der Druck, auf die eigenen Zahlen zu gucken, sei so groß, dass die Chefärzte nur „ihr Ding“ machten. Sontheimer sei zudem rücksichtslos und höre nicht mal auf Ratschläge aus seinem engsten Umfeld.

Befürworter von Sontheimer führen stets sein betriebswirtschaftliches Können an. Die schwarzen Zahlen, die das Klinikum schreibt, erwirtschafteten die Mitarbeiter und nicht Sontheimer, sagen hingegen seine Kritiker. Das Unternehmen habe seit 2008 auch von den zusätzlichen Finanzspritzen aus der Krankenhausförderung durch den Bund profitiert. Die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat trauen Sontheimer nicht zu, die Mitarbeiter zu motivieren und mitzunehmen, um neue Herausforderungen im Gesundheitssystem zu meistern. „Vielen fehlt die Hoffnung auf eine Perspektive.“

Über Sontheimers Leidenschaft und offenbar zweites Standbein, die Fliegerei, wird in der Belegschaft mitunter gewitzelt. Die Tatsache, dass er ausgebildeter Fluglehrer ist, gebe ihm wohl die „Lizenz zum Überfliegen“. Im Internet bietet Sontheimer Pilotenleistungen auf einer eigenen Seite an. Seinen Chef, Bürgermeister Jürgen Kaiser, habe er schon vor langer Zeit darüber informiert, dass er die Pilotentätigkeit nebenberuflich anbiete, sagt Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats habe dagegen nichts einzuwenden.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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