Defizite bei Kreiskliniken

Gesundheit Nordhessen Holding erwartet drei Mio. Gewinn

Hier wird der Boden für den Neubau bereitet: Das zentrale Empfangsgebäude mit Hubschrauberlandeplatz soll diese Baulücke füllen und an die verbindende Magistrale (links) mit Zugang zur Notaufnahme andocken. Foto:  Koch

Kassel. Auch für das Geschäftsjahr 2012 erwartet die Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) wieder ein positives Ergebnis. Zum vierten Mal in Folge seit dem Jahr 2008. Allerdings wird der nach bisherigen Berechnungen erwartete Gewinn von rund drei Millionen Euro deutlich geringer ausfallen als im Vorjahr.

2011 hatte die Holding, zu der auch das Klinikum Kassel gehört, 9,35 Millionen Euro Gewinn eingefahren. Dies sei, begründet durch Einmaleffekte, jedoch ein Sonderfall gewesen.

Vorstandsvorsitzender Dr. Gerhard M. Sontheimer sagte beim Kasseler Gesundheitsforum im Gebäude von Eon Mitte jedoch noch nichts dazu, ob es bei dem erwarteten Bilanzergebnis gelingen wird, den knapp 5000 Beschäftigten den zur Zukunftssicherung einbehaltenen Gehaltsanteil zurückzuzahlen. Für das Geschäftsjahr 2011 erhielten die Mitarbeiter 7,75 Millionen Euro zurück.

Dass die Holding noch schwarze Zahlen schreibe, sei dem Motor des Gesundheitskonzerns, dem Kasseler Klinikum, zu verdanken. Hier erwirtschaftete Überschüsse kompensierten zunehmend die Defizite in den kleineren Kreiskliniken und auch in den Seniorenwohnanlagen.

Gerhard M. Sontheimer

Die jährlichen Leistungs-Wachstumsraten der vergangenen sechs Jahre bezifferte der Holding-Chef auf 3,83 Prozent fürs Klinikum, 1,32 Prozent in Bad Arolsen, 1,28 in Wolfhagen, 0,38 in Hofgeismar und ein Minus von 0,32 Prozent in Helmarshausen, erläuterte Sontheimer. Doch auch mit einer über der Nulllinie liegenden Kurve sei es schwierig, ein positives Ergebnis zu erreichen.

Die Kliniken seien heute chronisch unterfinanziert. Gründe hierfür seien der Ausstieg der Länder aus der Investitionsfinanzierung sowie gedeckelte Budgets von 0 bis ein Prozent. Demgegenüber stünden Kostensteigerungen um 3,5 Prozent. „Das geht an die Substanz“, sagte Sontheimer anlässlich der Podiumsdiskussion, bei der es um die Situation des Krankenhausmarktes ging. Besonders betroffen seien kleinere Häuser. „Jedes Krankenhaus wird, wenn wir nichts ändern, pleitegehen. Es ist nur die Frage, wann.“

Denn die Krankenhäuser trügen auch ein demografische Risiko. So gelte es, immer mehr ältere Patienten zu behandeln, andererseits gingen die Erlöse zurück. Und während die Anforderungen wachsen, nehme der Nachwuchsmangel bei Ärzten, dem Pflegepersonal und den Hebammen zu. Besonders stolz sei man deshalb auf ein eigenes Modell der Nachwuchsförderung, eine international arbeitende Medizin-Universität „School of medicine“.

Millionen für Neubau

Am Klinikum hat die Holding zudem ein weiteres Neubauprojekt begonnen. In zwei bis zweieinhalb Jahren soll das neue Empfangsgebäude mit Hubschrauberlandeplatz fertig sein. Auch hier müsse sich die GNH strecken. Zwar habe das Land einst in Aussicht gestellt, die Baukosten von rund 35 Millionen Euro für den zweiten Bauabschnitt zu übernehmen. Aktuell bewilligt wurden 18,63 Millionen Euro.

Von Martina Heise-Thonicke

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